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16:08 05.12.2018
Mit einem interaktiven Steuerrechner kann sich jeder Bürger seine individuelle Einkommensteuerlast ausrechnen lassen. Quelle: Arne Depert / dpa
Hannover

Reiche tragen die Hauptlast der Einkommensteuer, so das Ergebnis einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW). Ein interaktives Tool des IW zeigt: Bereits mit 21.000 Euro Jahresbruttoeinkommen zählt ein Single zur oberen Hälfte der Steuerzahler.

Die Einkommensteuer ist die wichtigste Steuer des deutschen Staats. Zusammen mit dem Solidaritätszuschlag spült sie jedes Jahr mehr als 300 Milliarden Euro in die öffentlichen Kassen. Das entspricht 40 Prozent aller Steuereinnahmen von Bund, Ländern und Gemeinden. Zugleich ist die Einkommensteuer das zentrale Instrument der Umverteilung: Gutverdiener zahlen einen höheren Steuersatz als Ärmere.

Inwieweit die Einkommensteuer ihre Umverteilungsfunktion auch tatsächlich erfüllt und Reiche stärker zur Kasse bittet als Arme, hat das Institut der deutschen Wirtschaft errechnet. Demnach zahlen die oberen 10 Prozent der Steuerzahler mehr als 50 Prozent des Steueraufkommens. Allein die oberen 2,5 Prozent der erwachsenen Bevölkerung generieren demnach rund 25 Prozent der Steuereinnahmen.

Mit einem interaktiven Steuerrechner kann sich jeder Bürger seine individuelle Einkommensteuerlast ausrechnen lassen und damit in der Rangfolge der Steuerzahler verorten.

Laut IW-Studie gehört ein Lediger ohne Kinder bereits ab einem Jahresbruttoeinkommen von 21.000 Euro zu den oberen 50 Prozent der Steuerzahler. Dass bereits ein vergleichsweise geringes Einkommen zu einer mittleren Position im Ranking der Steuerzahler führt, liegt vor allem an den rund 20 Millionen Personen, die gar keine Steuern zahlen. Dazu zählen 7 Millionen Rentner, außerdem Auszubildende, Studenten, geringfügig Beschäftigte und Arbeitslose. Von anderen Abgaben wie der Mehrwertsteuer sind sie aber natürlich dennoch betroffen.

Zur stärkeren Belastung der Gutverdiener trägt auch der Solidaritätszuschlag bei: Auf die Einkommensteuerschuld wird nochmals eine Abgabe von 5,5 Prozent fällig. Eingeführt wurde der Soli 1991 von Bundeskanzler Helmut Kohl: erst zur Finanzierung des Zweiten Golfkriegs, später, um die Kosten der deutschen Einheit zu begleichen. Tatsächlich ist das Geld nicht zweckgebunden und kann auch für andere Ausgaben verwendet werden.

Die schwarz-rote Regierung hat sich Anfang des Jahres im Koalitionsvertrag darauf geeinigt, die Abgabe ab 2021 für 90 Prozent der Steuerpflichtigen mit kleinen und mittleren Einkommen auslaufen zu lassen. Wer mehr verdient, zahlt den Solidaritätszuschlag also auch künftig. Da dies nur jeden zehnten Steuerzahler betrifft, scheint sich die große Koalition zu einer großzügigen Entlastung durchgerungen zu haben. Allerdings tragen die Ausgenommenen die Hauptlast, weshalb die Regierung auch künftig mit rund der Hälfte der Einnahmen planen kann.

Von Johannes Christ / RND

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