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Welt 1,7 Millionen Backwaren landen jährlich im Müll
Mehr Welt 1,7 Millionen Backwaren landen jährlich im Müll
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16:00 04.10.2018
Unser täglich Brot landet viel zu oft im Müll Quelle: Steffi Loss/dapd
Hannover

Morgens beim Bäcker waren die Augen wieder größer als der Hunger: Zwei Croissants gekauft, nur eins geschafft, das andere landet, weil leider bretthart, spätestens am nächsten Morgen im Müll. Das tut erst ein bisschen weh, ist dann aber schnell vergessen. Wie der Umweltverband WWF jetzt in einer Studie festgestellt hat, zählen Backwaren „zu den am häufigsten weggeworfenen Lebensmitteln“.

Wie der WWF schreibt, entsteht die Hälfte des Brotabfalls in den heimischen vier Wänden. Die Bäckereien hätten einen Anteil von 36 Prozent am Brotabfall, der Handel 13 Prozent. „Die Ernte von rund 398.000 Hektar Ackerland wird verschwendet. Das entspricht einem Acker, der größer ist als Mallorca“, heißt es in der Studie. Das sei schizophren: „Um Ernteerträge zu maximieren, wird der Anbau intensiviert und die Umwelt belastet. Zugleich schmeißen wir säckeweise die aus dem Getreide produzierten Lebensmittel weg“, kritisiert WWF-Experte Jörg-Andreas Krüger. Insgesamt zeigen aktuelle Schätzungen, dass von den 4,9 Millionen in Deutschland produzierten Backwaren gut ein Drittel nicht verkauft wird und infolgedessen entweder als Futter in Schweinetrögen, in Biogasanlagen und eben ein großer Teil in der Tonne landet.

Backshops bieten bis Ladenschluss vermeintlich frische Brötchen

Den WWF-Marktforschern zufolge wird in vielen Geschäften jede fünfte Backware vernichtet, die Retouren lägen im Schnitt zwischen zwölf und 15 Prozent. Dabei sei kleineren Handwerksbetrieben weitaus weniger Teigmüll zu beklagen als in Ketten und Supermarkt-Backshops. Eine Untersuchung der Fachhochschule Münster kam 2015 zu dem Schluss, dass Bäckereien, die 6 bis 40 Filialen betreiben, aufgrund des Überschusses einen wöchentlichen Umsatzverlust von durchschnittlich 15.700 Euro beklagen. Der Grund: Es herrsche eine riesige Angebotsvielfalt – und das bis Ladenschluss.

Schuld an der Überschussproduktion seien nicht zuletzt die Verbraucher: Kaum einer wolle nach Feierabend im Supermarkt die letzten Backwaren zusammensuchen, viel lieber schöpfe man aus dem Vollen, resümieren die Autoren der WWF-Studie. Danach gilt „ein Brötchen, das älter als drei Stunden ist, nicht mehr als frisch“. Um die Erwartung der Kunden zu erfüllen, böten Bäckerein vielfach nahezu ihr ganzes Sortiment bis in den Abend hinein an – zum Teil seien Backshops in den Supermärkten dazu sogar vertraglich verpflichtet.

Auch der Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks fordert die Abschaffung dieser Sortimentspflicht, diese gewöhne den Kunden an ständig vermeintlich frische Backwaren. Broten vom Vortag dagegen fehle die Wertschätzung, findet der Zentralverband.

Brote aus Roggen und Sauerteig halten länger

Das gilt auch für die Brötchen in der Tüte, die zu Hause übrig bleiben. „Den Käufern fehlt immer mehr die Bereitschaft, altes Brot weiterzuverarbeiten“, sagt Studienkoordinatorin Tanja Dräger de Teran vom WWF. Kaum einer gebe sich noch die Mühe, Teigwaren einzufrieren oder daraus Semmelbrösel, Croutons für die Suppe oder Arme Ritter herzustellen.

Der WWF empfiehlt, Roggenbrot oder Brote aus Sauerteig zu kaufen – diese hielten sich länger. Zudem solle „angeschnittenes Brot mit der Schnittfläche nach unten“ gelagert werden – so trockne es nicht so schnell aus. Oder: Einfach mal ein Croissant weniger kaufen.

Von Sonja Fröhlich/RND

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