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Das Leben in Griechenland
Das Leben in Griechenland
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15:50 10.03.2012

Fangen wir mit einem Elektroniklieferanten an, der nach und nach alle seine 50 Mitarbeiter entlassen musste und letztendlich selber seine Arbeit verlor. Sein einziger Kommentar dazu: „Ich war heute nur einer von fünf Tausenden …“

Aber vielleicht konzentrieren wir uns erst einmal auf die Schulen und Kinder.

Eine Lehrerin berichtete auf die Frage der Eltern, ob sich die Krise denn auf den Unterricht auswirken würde, dass die Schule schon immer kein Geld für Vorhänge und Toilettenpapier hatte, aber dass es zum ersten Mal nun so ist, dass es kein Geld mehr für die Schulbücher gibt und Kinder immer öfter wegen mangelhafter Ernährung im Unterricht in Ohnmacht fallen.

Es passiert immer öfter, dass Eltern ihre eigenen Kinder aus Geldnot bei SOS-Kinderdörfern abgeben.

Was Krankenhäuser angeht, sind wir hier in einem absoluten Krisengebiet. Alle Allgemeinärzte wurden zurück nach Griechenland gerufen, um dort helfen zu können. In Krankenhäusern fehlen sämtliche Medikamente, sogar Spritzen und Handschuhe. 30 % der Griechen haben mittlerweile keine Krankenversicherung mehr und sind auf kostenlose Krankenhäuser angewiesen. Nehmen wir das Beispiel einer alleinerziehenden Mutter, die keine 5 € für die Impfung ihres dreijährigen Sohnes übrig hat.

Um auf die Arbeitslosigkeit zurückzukommen, ist es wichtig zu erwähnen, dass allein im November vorigen Jahres 126.000 Griechen ihre Arbeit verloren. Griechenland hat insgesamt 11 Millionen Einwohner. Davon stieg die Arbeitslosigkeit von 18,2 % auf 20,9 % in vier Wochen, Tendenz steigend!

Wer erst einmal seine Arbeit verloren hatte, erhielt vom Staat ca. 400 € monatlich genau ein Jahr lang, danach nichts mehr. Diejenigen, die ihre Arbeit nicht verloren, mussten sich mit drastischen Lohnkürzungen abfinden. Es fand ebenfalls eine Kürzung der Rente statt und der Mindestlohn sank auf weniger als 590 €.

Um der Krise zu entkommen, beschließen viele Griechen auf das Land zu ziehen, um selber Landwirtschaft zu betreiben.

Die größte Essensvergabe des Landes musste, im August vorigen Jahres, mit einem Schlag 40 % mehr Essen ausgeben.

Es finden selbstverständlich regelmäßig Demonstrationen statt. Auf Demonstrationen setzt die Polizei mittlerweile sogar Tränengas ein. So waren es z. B. in Thessaloniki 20.000 Menschen, die sich für ihre Rechte einsetzten.

Hieran sieht man, was für eine Extremsituation in Griechenland herrscht und es keineswegs an Südeuropa erinnert – mehr an ein Land in Afrika.

von Borna Habunek und Michelle Korbmacher – Freie Waldorfschule Marburg,10. Klasse

mit Informationen von Dieter Sperling (deutscher Staatsbürger; lebt in Griechenland).