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Schüler lesen die OP 2018 Wenn 20.000 Jugendliche musizieren
Mehr OP extra Schüler lesen die OP 2018 Wenn 20.000 Jugendliche musizieren
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17:18 16.04.2018
Lukas Neuhof aus Schlitz hat es vor zwei Jahren bis in das Bundesfinale von „Jugend musiziert“ geschafft. Quelle: Uwe Zucchi
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Marburg

Viele Kinder und ­Jugendliche stehen Anfang Februar in der Eingangshalle des Instituts für Musikwissenschaft und Musikpädagogik der Justus-Liebig-Universität ­Gießen. Sie alle sind schick gekleidet und haben einen ­Musikkoffer auf dem Rücken oder in den Händen.

Viele von ihnen wirken zufrieden und stolz und unterhalten sich spürbar erleichtert mit ihren Eltern, Lehrern oder Freunden. Einzelne aber stehen blass und beunruhigt auf einem Fleck, immer wieder blicken sie aufgeregt auf die Uhr: Sie gehören zu jener Gruppe, die ihren Auftritt noch vor sich hat.

„Er ist anders als andere Wettbewerbe, denn er hat ein besonderes System, bei dem den Teilnehmern die Möglichkeit gegeben wird, sich zu verbessern, und dies auch im Vordergrund steht“, sagt Charlotte 
Schmidt-Schön, die Leiterin des Wettbewerbs in der ­Region 
Mittelhessen und Jurorin im Fach Klavier.

Technik, Interpretation und die Musikalität im Fokus

In der ersten Runde, dem Regionalwettbewerb, spielen die Teilnehmer in ihrer Region. Dort wird man, nachdem man sich in einem zugeteilten Raum eingespielt hat und danach nervös in einen großen Raum mit toller Akustik gelaufen ist, durch eine Jury bewertet und kann dabei null bis 25 Punkte erreichen.

Die Jury achte dabei vor allem auf die Technik, Interpretation und die Musikalität, so Schmidt-Schön. Bekommt man von der Jury 23 bis 25 Punkte, so darf 
man am Landeswettbewerb teilnehmen, danach geht es nach einem ähnlichen Prinzip in den Bundeswettbewerb. Es werden zwar auch Plätze vergeben, diese sind aber nicht dafür da, mit den anderen Teilnehmern verglichen zu werden, denn die Plätze richten sich nach den Punkten.

Außerdem bekommt man auch einen 1. Platz, wenn man es nicht in die nächste Runde geschafft hat. Denn man sei nicht schlecht, wenn man nicht weitergeleitet werde, und habe auch mit ein paar Punkten weniger noch einen 1. Platz verdient, erläutert Frau Schmidt-Schön. Nach der Urkundenverleihung und der Bekanntgabe der Punktezahlen bietet die ­Jury allen Teilnehmern noch ein ­Beratungsgespräch an, in dem die Jury dann freundlich Verbesserungsvorschläge macht.

Motivation der Jugendlichen ist unterschiedlich

Es gibt aber auch Menschen, die gegen das Bewerten von Musik sind: Sie kritisieren, dass Musik nicht auf einer Punkteskala bewertet werden kann, weil Musik zu komplex ist. In erster Linie ist sie Kreativität, Ausdrucksmittel und Gefühl. Dies kann man nicht bewerten, denn es ist subjektiv.

Was man objektiv bewerten könnte, wäre hauptsächlich die Richtigkeit der Töne und die Technik, aber das ist nicht der Sinn von Musik. Doch trotzdem machen jedes Jahr viele Jugendliche bei dem Musikwettbewerb mit. Eigentlich bedeutet es Aufregung, Stress, viel Üben und Zeitaufwand, denn immerhin muss am Ende ein Programm von 10 bis 20 Minuten stehen, und das tun sich jedes Jahr aufs Neue etwa 20.000 junge Musiker an.

Die Motivation der Jugendlichen ist unterschiedlich: Manche wollen lernen, vor anderen Leuten zu spielen. Andere wollen wissen, wie gut sie sind. Wieder anderen macht es Spaß, mit Freunden zu musizieren und intensiv an einem Programm zu arbeiten. Doch die meisten nehmen teil, um sich zu verbessern. Und selbst wenn man nicht so gut abschneidet: Der Weg ist das Ziel.

von Emma Kramer, 
8e der Elisabethschule Marburg

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