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Schüler lesen die OP 2018 Millionen Kinder müssen arbeiten
Mehr OP extra Schüler lesen die OP 2018 Millionen Kinder müssen arbeiten
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17:21 16.04.2018
Der zehnjährige Siyam sortiert in einer Recyclingfabrik in Dhaka (Bangladesch) Plastikflaschen. Das Sortieren von Plastikflaschen ist ein wachsendes Geschäft in Ländern, in denen Kinder arbeiten, um ihre Familie zu unterstützen. Quelle: Md Mehedi Hasan
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Marburg

Immer wieder müssen Kinder trotz Verbot unter unmenschlichen Bedingungen arbeiten, um die Familie zu ernähren oder zu überleben – für viele Menschen ist das sehr weit weg. Doch für die Kinder, die wirklich arbeiten müssen, um leben zu können, ist das nicht einfach nur ein Problem, das verdrängt werden kann.

Laut Unicef arbeiten heutzu­tage 190,7 Millionen Kinder zwischen fünf und vierzehn Jahren, davon 89,6 Millionen Kinder in gefährlichen und gesundheitsschädigenden Berufen. Allein 122,3 Millionen ­Kinderarbeiter sind in Asien und im Pazifik­raum beschäftigt, 49,3 Millionen Kinder in Afrika südlich der Sahara, 5,7 Millionen in Lateinamerika und 13,4 Millionen in sonstigen Regionen.

Kinder ab vier Jahren müssen Arbeit von Erwachsenen machen

Doch nicht jede Art der Kinderarbeit zählt zur schädlichen Ausbeutung und ist somit illegal. Kinder dürfen nicht vollbeschäftigt werden oder zu lange Arbeitszeiten haben. Sie dürfen nicht zu viel Verantwortung tragen oder unter schlechter Behandlung leiden. Die Arbeit und das Arbeitsumfeld dürfen nicht gefährlich oder gesund­heitsschädigend sein oder die Kinder körperlich oder seelisch zu schwer belasten. Außerdem darf die Arbeit nicht monoton und langweilig sein und den Kindern muss genug Zeit und Kraft bleiben, um in die Schule zu ­gehen und zu lernen.

An diese Vorgaben halten sich viele Arbeitgeber nicht und lassen die Kinder schon ab vier Jahren die gleiche Arbeit tun, die auch Erwachsene machen müssen. Noch dazu bekommen die Kinder oft nur einen Bruchteil des Gehalts, das erwachsene Arbeiter bekommen. Das ist für die Arbeitgeber ein gutes Geschäft. Doch für die Kinder ist es Ausbeutung.

70 von 100 Kinderarbeitern in der Landwirtschaft tätig

Es gibt verschiedene ­Arbeiten, bei denen Kinder besonders häufig eingesetzt werden. Laut des Kinderhilfswerks ­Terre des hommes sind die meisten, sprich 70 von 100 Kindern, in der Landwirtschaft tätig. 26 Millionen Kinder arbeiten in Dienstleistungsbereichen und 18 Millionen in der Industrie.

Medienberichten zufolge sind 15 Millionen Kinder, vor allem Mädchen, in privaten Haushalten tätig, um Geld zu verdienen. Ganz besonders dort sind die Kinder nicht geschützt vor viel zu langen Arbeitszeiten, Gewalt und sexuellen Übergriffen. Außerdem sind sie sehr von ihren Arbeitgebern abhängig.

Kinderarbeit gehört zusammen mit politischer Gefangenschaft, Zwangsprostitution, Rekrutierung von Kindersoldaten, Leibeigenschaft und wirtschaftlicher Ausbeutung zu den Formen der Sklaverei. Seit Menschengedenken werden Kinder zur Arbeit ausgebeutet, doch im 18. und 19. Jahrhundert hat sich der Zustand massiv verschlechtert, was die Bildung und Gesundheit der Bevölkerung stark beeinträchtigt.

Für Arbeit in Minen wurden früher meist nur Kinder eingestellt

Die Kinder wurden damals nicht nur als Dienstboten oder Hilfskräfte eingesetzt, sondern vor allem in der Textilindustrie, in Kohlegruben und in Minen. Für die Arbeit in Minen wurden meist sogar nur Kinder eingestellt, weil sie es aufgrund ihrer Körpergröße leichter hatten. Die Kinder mussten täglich zwischen zehn und sechzehn Stunden gearbeitet.

Die Situation hat sich zwar verbessert, doch es gibt immer noch zu viele zu hart arbeitende Kinder. Allein in Afrika arbeitet laut Terre des hommes jedes fünfte Kind. Es gibt rund 19 Millionen arbeitende Kinder auf der Welt, die unter elf Jahren sind.

Keine Chance auf Bildung

Ein Drittel der Kinder geht nicht zur Schule. Das kann verschiedene Ursachen haben, zum Beispiel, dass durch die ­Arbeit keine Zeit mehr bleibt oder die Eltern sich den Schulbesuch oder die zusätzlichen Kosten nicht leisten können. Es kann aber auch sein, dass die Arbeitgeber den Kindern verbieten, in die Schule zu gehen. 64 Prozent der 15- bis 17-Jährigen arbeiten mehr als 43 Stunden die Woche.

Um etwas zu ändern, reicht es nicht, die Kinderarbeit nur zu verbieten, denn das bringt die Familien in finanzielle Schwierigkeiten. Das Gehalt der Erwachsenen müsste steigen, damit die Eltern die Familie auch ohne die Hilfe der Kinder finanzieren können. Damit es sich die Familien leisten können, ihre Kinder zur Schule zu schicken, müssten die Schulgebühren gesenkt oder vom jeweiligen Land finanziert werden.

von Lea Schuchhardt, 8e der Elisabethschule, Marburg

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