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Schüler lesen die OP 2018 Im Kampf gegen Doping nicht aufgeben
Mehr OP extra Schüler lesen die OP 2018 Im Kampf gegen Doping nicht aufgeben
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16:56 16.04.2018
Ein Schild mit dem Schriftzug "Doping Control" ist im Vancouver Olympic Centre zu sehen. Quelle: Peter Kneffel
Marburg

Das Thema „Doping“ ist im Sport immer wieder ein großes Thema. Laut einer Dopingstudie der Universität Tübingen und der Harvard Medical School haben bei der WM 2011 30-40% der Leichtathleten (laut eigenen Angaben) gedopt. Auch dieses Jahr wurde bei den Olympischen Winterspielen zu unerlaubten Mitteln gegriffen. Dies sorgte unter anderem für die Disqualifizierung der russischen Bob-Fahrerin Nadeschda Sergejewa.

Doch was ist Doping eigentlich genau?

Unter Doping versteht man die Einnahme verbotener Substanzen oder die Nutzung unerlaubter Methoden zur Leistungssteigerung im Sport. Meist sind es Medikamente, die eigentlich zur Behandlung von Krankheiten dienen. Der Missbrauch solcher Substanzen (bei der Behandlung von Kranken erfolgt eine Abwägung zwischen Nutzen und Risiken) kann im schlimmsten Fall zum Tod führen.

Und wie steht es um die Prävention?

Hierzu befragten wir einen der führenden Anti-Doping Spezialisten Deutschlands, Professor Gerhard Treutlein, Leiter des Zentrums für Dopingprävention an der Pädagogischen Hochschule Heidelberg.

OP:  Wie entstand Ihr Interesse an der Prävention?

Prof. Gerhard Treutlein: Gegen das große Übel Doping im Leistungssport musste was unternommen werden; Anregungen erhielt ich unter anderem durch meine Kontakte zu Kollegen vor allem in Frankreich. Frankreich war in Europa einer der Vorreiter bei der Dopingprävention. Außerdem fühlte ich mich als Professor an einer Pädagogischen Hochschule dazu verpflichtet, es nicht bei der Erforschung von Dopinggeschichte zu belassen, sondern Konsequenzen für die abzuleiten. Einer meiner ersten Erfolge war das Buch „Doping - von der Analyse zur Prävention“.

OP: Welche Erfahrungen haben Sie mit Dopingprävention gemacht?

Treutlein: Da es kaum Erfahrungen gab, erfolgte die Informationsbeschaffung vor allem durch die  Maßnahmen und Beeinflussung in anderen Ländern, hauptsächlich Frankreich sowie durch eigene Forschungsprojekte zum Thema „Veränderung von Lehrer- und Trainerverhalten“.

OP: Wer ist offen für Dopingprävention?

Treutlein: Meist sind es die Verantwortlichen der Bildungsbereiche der Landessportbünde und die Verantwortlichen für Jugend- und Breitensport.

OP: Gibt es auch Uneinsichtige?

Treutlein: Ja! Die Erwachsenen sehen die Wichtigkeit in ihrem Sportbereich größtenteils nicht und sind oft der Meinung, Doping komme nur in anderen Sportbereichen vor, jedoch nicht in ihrem. Durch die Liebe zu ihrem Sport werden sie meist kritikunfähig. Zudem nimmt mit steigendem Leistungsniveau zunehmend die Bereitschaft ab, sich mit Dopingprävention auseinander zu setzen. Ein gutes Beispiel hierfür die Diskussion über Sinn und Unsinn von Nahrungsergänzungs- und Schmerzmitteln im Sport.

OP: Was denken Sie über den Konsum von Nahrungsergänzungs- und Schmerzmitteln im Sport?

Treutlein: Über den Konsum solcher Mittel wird zum einen die Entwicklung von Dopingmentalität gefördert. Zum anderen sollte man ohne ärztlichen Nachweis einer Erkrankung grundsätzlich die Finger
davonlassen. Fast niemand weiß, was für Auswirkungen die Mischung verschiedener Mittel hat oder ob sie nicht sogar schädliche Wirkungen oder Leistungsbeeinträchtigungen mit sich bringen.
Nach dem Tod der Spitzensiebenkämpferin Birgit Dressel († 1987) wurden bei ihr rund 120 Mitteln festgestellt, die sie in den Monaten zuvor konsumiert hatte. Schon geringe Mengen davon sind
schon eine Überforderung für einen gesunden Körper.

OP: Wie sehen Sie die Zukunft der Dopingprävention?

Treutlein: Es gibt da ein großes Problem: solange von der engen Definition von Doping ausgegangen wird („Doping ist das, was auf der Verbotsliste steht“), herrscht im Sport mit höherem Niveau die Regel: „Nur was auf der Verbotsliste, steht muss verfolgt und bekämpft werden“. Die Aussichten auf die Dopingprävention im modernen Sinne sind nicht sonderlich gut. Doch trotzdem müssen wir alles
versuchen und dürfen nicht aufgeben im Kampf gegen Doping.

von Michaela Streckfuß & Alena Treutlein Klasse 8d, Elisabethschule Marburg