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Schüler lesen die OP 2018 Geschlechterrollen im Spielzeugladen klar verteilt
Mehr OP extra Schüler lesen die OP 2018 Geschlechterrollen im Spielzeugladen klar verteilt
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16:29 16.04.2018
Kinderartikel in blau und rosa auf dem Stand eines Herstellers auf der Messe "Kind+Jugend". Quelle: Oliver Berg
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Marburg

Bei dem Gang durch den Spielwarenladen wird sofort klar, welche Rollen den Geschlechtern zugeteilt werden. In der einen Ecke finden sich Puppen, Spielküchen, Feen und Einhörner, natürlich in den typischen Farben, Rosa, Hellgrün und in allen weiteren Pastellfarben. In der anderen Ecke sind diese Farben kaum zu finden. Hier dominieren kräftige Farben, wie Blau und Grün. Puppen sind hier auch in den seltensten Fällen zu finden. Stattdessen Werkbänke, Autos, Ritterburgen und Schwerter. Es werden also klare Grenzen bei den Interessen der Geschlechter gezogen.

Doch trifft dies tatsächlich zu oder werden einzig und allein die Klischees erfüllt, welche die Mädchen mit den Puppen spielen lassen und den Jungen die Spielzeugwaffen in die Hände legen? Werden den Kindern dadurch bewusst spätere Rollenbilder gegeben, in denen sich einzig die Frau um den Nachwuchs kümmert und der Mann für den Schutz und das Wohlergehen der Familie zuständig ist?

Mittlerweile ist es keine Seltenheit mehr, dass Frauen Handwerksberufe erlernen, welche ursprünglich Männern zugeschrieben worden sind. Außerdem machen immer häufiger Väter von ihrer Elternzeit Gebrauch und kümmern sich um ihre Kinder. Doch in der Spielzeugindustrie scheint dies noch nicht angekommen zu sein. Es werde einzig auf die Nachfrage reagiert, erklärt der Geschäftsführer des Deutschen Verbands der Spielwarenindustrie Ulrich Brobeil in dem Artikel „Getrennte Welten“ von Monika Dittrich im Deutschlandfunk. Außerdem sei die geschlechtertypische Auswahl vom Spielzeug
ein Teil der kindlichen Entwicklung.

Psychologen und Genderforscher sind sich uneinig

Es ist zur Normalität geworden, dass bei Geschwistern, welche sich vom Geschlecht unterscheiden, Gegenstände, welche durchaus von beiden genutzt, in zweifacher Ausführung gekauft werden. So ist es selbstverständlich, dass das blaue Fahrrad einzig und allein dem Jungen gehört und selbst, wenn dieser ein neues braucht und die kleine Schwester sein altes Fahrrad nutzen könnte, einzig und allein für sie ein neues Fahrrad in Rosa, der typischen Mädchenfarbe, gekauft wird. Dies wird von Stevie Schmiedels, der Chefin von Pinkstinks, einer Protestorganisation, die gegen Sexismus und Geschlechterklischees in Werbung, Medien und Gesellschaft kämpft, stark kritisiert.

Außerdem werden Mädchen durch die Spielzeugindustrie die Werte Schönheit- und Hilfsbereitschaft vermittelt, wohingegen Jungen das Dienen als Held und Kämpfer vermittelt wird. Viele Genderforscher kritisieren dies stark, da Mädchen so nicht beigebracht wird sich für ihre Rechte einzusetzen und Jungen, falls sie Interesse an Mädchensachen zeigen, eventuell verspottet werden könnten. Doch ist die Spielzeugindustrie schuld daran oder haben gar genetische Faktoren mit den unterschiedlichen Interessen der Jungen und Mädchen zu tun? Der Evolutionspsychologe Harald Euler merkt an, dass Untersuchungen zeigen, dass bereits in den ersten Wochen unterschiedliche Verhaltensweisen bei Jungen und Mädchen zu finden sind.

So zeigt die Studie des britischen Psychologen Simon Baron-Cohen von der Universität Cambridge, dass Mädchen von Anfang an ein stärkeres Interesse an Gesichtern und Menschen zeigen, wohingegen Jungs eher an technischen Dingen, wie dem Mobile über dem Bett, interessiert sind. Genderforscher dementieren diese Studie und vertreten verstärkt die Meinung, dass Spielzeugvorlieben anerzogen sind, obwohl viele Studien diese These widerlegen.

Die Zeiten haben sich geändert

Die Münchner Psychologie-Professorin Doris Bischof-Köhler beschreibt in ihrem Werk "Von Natur aus anders. Die Psychologie der Geschlechtsunterschiede", dass Jungen bereits als Kleinkinder großes Interesse an Fahrzeugen, Dingen wie Türklinken und Steckdosen zeigen und sich lieber grobmotorisch befassen. Mädchen hingegen präferieren Puppen, Plüschtiere und zeigen eine bessere Feinmotorik auf. Harald Euler ist davon überzeugt, dass die Neigungen in den Kindern evolutionsbedingt sind, was die Beobachtung kindlichen Verhaltens in verschiedenen Kulturen gezeigt hat. So haben sich selbst Kinder, welche geschlechtsneutral erzogen wurden, geschlechterspezifisch verhalten.

In der Steinzeit war es normal, dass die Männer auf die Jagd gingen und die Familie verteidigt haben, was auch heute noch ein typisches Bild der Geschlechterrolle ist. Zwar gehen die Männer nicht mehr auf die Jagd, sind jedoch noch heute oft das finanzielle Standbein der Familie. Es ist also normal, dass Jungen und Mädchen unterschiedliche Interessen haben. Manche passen zu der Geschlechterrolle, andere jedoch nicht.

Auch wenn Mädchen immer noch eher als Mutter und Hausfrau in der Spielzeugindustrie dargestellt werden, heißt es nicht, dass sie dieser späteren Rolle entsprechen müssen. Schaut man zum Beispiel die Entwicklung in Film und Fernsehen an, lässt sich erkennen, dass die Prinzessinnen immer öfter selbstbestimmt und mutig sind und ebenso Helden sein können, wie Superman. Es spielt keine Rolle was uns die Spielzeugindustrie vorgibt! Jedes Kind sollte mit dem spielen, was ihm gefällt, egal ob mit einer Puppe oder eben der Ritterburg. 

von Verena Eckhardt, Klasse CT11 der Adolf-Reichwein-Schule

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