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Schüler lesen die OP 2018 Ausbildung dauert drei bis fünf Monate
Mehr OP extra Schüler lesen die OP 2018 Ausbildung dauert drei bis fünf Monate
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17:02 16.04.2018
Ein Golden Retriever Hund trägt einen großen Kauknochen im Maul. Quelle: Bernd Thissen
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Marburg

Aktuell sind in Deutschland ungefähr 1000 Schulhunde im Einsatz. Der Hundeführer, ein ausgebildeter Pädagoge, durchläuft zusammen mit seinem Hund eine intensive, stufenweise Ausbildung in Theorie und Praxis. Das Team aus Mensch und Hund kann in Schulen, Kindergärten und anderen pädagogischen Einrichtungen eingesetzt werden.

Hunde können in der Schule hilfreich sein, wenn Schüler und Schülerinnen Angst vor Arbeiten, Tests oder sonstigen Schulaufgaben haben. Außerdem sind sie ein guter Freund und Begleiter und hören einem immer zu. Hunde bewerten keine schulischen Leistungen, was den schulischen Druck herausnimmt.

Für Leute mit Leseproblemen können Hunde nützlich sein, indem man ihnen laut vorliest. Das fördert das lautere Lesen und verbessert signifikant ihre Lesefähigkeit. Auch bei unruhigem oder angespanntem Klassenklima kann der Hund beruhigend und ausgleichend wirken.

Ein Präsenzhund, auch Schulhund genannt, ist ein Hund, der regelmäßig Zeit im Klassenraum verbringt und so das soziale Klassenklima unterstützt. Dieser wird von einer pädagogischen Lehrkraft geführt. Der Schulbesuchshund dagegen besucht die Klasse zwar in regelmäßigen Abständen, wird aber von einer externen pädagogischen Person geführt. Ein Schulbesuchshund ist eher für die Aufklärung über Tierhaltung oder Tierschutz zuständig, aber weniger für den Klassenzusammenhalt.

Hund und Mensch werden regelmäßig in der Schule auf ihre Einsatzfähigkeiten geprüft. Die Hunde sind speziell ausgebildet, verfügen über einen hohen Spieltrieb, ein liebes Wesen und dürfen nicht schreckhaft sein.
Beim Eignungstest werden folgende Eigenschaften überprüft: Bindung zwischen Mensch und Hund, Unbefangenheit und Belastbarkeit, Sozialverträglichkeit, Gehorsam, Reizschwelle, Aggressivität, Ängstlichkeit, Motivierbarkeit, Verhalten in verschiedensten Situationen, Ausführung verschiedener Übungen.

Der Hund muss lernen ordentlich bei Fuß zu gehen, ohne an der Leine zu ziehen. Kommando "Fuß". Hinlegen auf Kommando "Platz". Hinsetzen auf Kommando "Sitz". Aus der Bewegung heraus Kommando "Steh". Kein Anspringen von Personen durch Kommando "Nein".

Rückrufkommando "Zu mir". Am zugewiesenen Platz bleiben "Bleib". Alle Kommandos aus der Entfernung. Benehmen in der Öffentlichkeit. Ausgeprägtes Sozialverhalten. Vorbereitung des Hundes auf alle Situationen, in denen er sich später bewähren muss. Gewöhnung an laute Geräusche akustische Reize, schreiende Kinder, Spieltrieb anderer Hunde. Der Hund lernt, sich überall am Körper berühren zu lassen, manchmal sehr unsanft, ohne Anzeichen von Aggression.

Aber auch der Mensch muss Dinge lernen: Geduld – Konsequenz – Motivation. Techniken die zur Beruhigung des Hundes führen. Die positive Veranlagung seines Hundes zu verstärken. Desensibilisierung seines Hundes bei Angst und Aggressionen anderen gegenüber. Seinen Hund zu verstehen (Sprache des Hundes). Sicheres, souveränes führen seines Hundes in allen Situationen. Erlernen der nonverbalen Kommunikation mit dem Hund.

Die Ausbildung dauert ca 3 bis 5 Monate (10 Unterrichtsstunden a` 45 Minuten (Einzelunterricht), davon 3 Praxiseinsätze, 20 Unterrichtsstunden a` 60 Minuten
(Gruppenunterricht). Danach erfolgt die Abschlussprüfung (Sachkundeprüfung Theorie, Praxisteil). Insgesamt kostet die Ausbildung laut Vierbeinacademy circa 1.100 Euro.

Es gibt gesetzliche Regelungen, die vor dem Einsatz von Begleithunden in der Schule zu beachten sind. Besuchshunde müssen eine Prüfung erfolgreich abschließen und bekommen dann das Zertifikat sowie einen Ausweis, der vor dem Einsatz in der Direktion gezeigt werden muss. Zudem muss eine Haftpflichtversicherung mit erhöhter Deckungssumme und Gültigkeit im Schulbereich abgeschlossen werden. Auch die Kollegen und Kolleginnen, Schulwart/innen, Klassenvorstände sowie die Erziehungsberechtigten der Schüler und Schülerinnen sind schriftlich zu informieren.

Während des Einsatzes ist das Klima zwischen Hund und Schüler respektvoll und freundschaftlich. Im Regelfall ist der Hund an der Leine des Hundeführers. Kinder mit Allergien oder religiösen Vorgaben dürfen während des Hundeeinsatzes eine andere Klasse besuchen. Hunde stärken insgesamt die Kommunikationsfähigkeit, Verbundenheit, Kooperationsbereitschaft, das Selbstvertrauen, die Selbstbeherrschung sowie auch Geduld, Rücksichtnahme, Erkennen und Akzeptieren von Grenzen. Ich hätte gerne, wie viele andere Kinder, auch einen Schulbesuchshund.

von Mathis Schneider, Klasse 7C, Landschulheim Steinmühle

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