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Ein Ecuadorianer in Marburg
Ein Ecuadorianer in Marburg
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17:08 26.04.2017
Ecuador - die Heimat von Washington Paladines, der seit 15 Jahren in Marburg lebt. Quelle: Pixabay
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Marburg

Für ihn war das Leben hier in Deutschland eine große Umstellung. Besonders an das Klima musste er sich zunächst gewöhnen, denn nur die Ecuadorianer aus dem Hochland sind zumindest nachts mit den kälteren Temperaturen vertraut.

Wie uns Herr Paladines erklärte, ist das Land in drei geografische Zonen eingeteilt, die sich im Klima stark widerspiegeln können: El Oriente – das Regenwaldgebiet im Osten, La Sierra – die Hochebene zwischen den beiden Andenkordillieren sowie La Costa – die Küstenregion im Westen zum Beispiel mit Mangrovenwäldern und tollen Stränden.

Im Gegensatz zu Deutschland ist das Klima in allen Regionen über das Jahr relativ gleich. Für uns in Deutschland sind die vier Jahreszeiten Normalität, doch in Ecuador gibt es diese nicht. Es ist das ganze Jahr über heiß. Mit einer Ausnahme, und die ist das Hochland, denn die vier Jahreszeiten tauchen komprimiert an einem Tag auf.

Alle vier Jahreszeiten an einem Tag

Morgens bis 11 Uhr ist der Frühling mit bombastischer Fernsicht da. Die schneebedeckten Vulkankegel der Anden scheinen zum Greifen nah. Bis ungefähr 15 Uhr ist es glühend heiß wie im Hochsommer. Ab 16 Uhr ziehen mit dunklen Wolken starke Regenfälle auf und der Herbst ist da. Doch nachts kühlen die Temperaturen gewaltig ab, und man bekommt den Winter zu spüren.

Nach Informationen von Herrn Washington Paladines liegt dies an der Äquatornähe. Trotzdem sei das mitteleuropäische Klima in Marburg auch eine Umstellung für junge Leute aus dem Hochland. Diese langandauernde Kälte beziehungsweise Hitze sei sehr gewöhnungsbedürftig – den Wechsel von hohen und tiefen Temperaturen sei man in Ecuador nur in kurzen Abständen gewohnt. Kommt ein Ecuadorianer also im Winter hierher, ist ihm natürlich kalt.

Gleichzeitig bekommt er auch einen Schock, so wie Herr Paladines, denn die kahlen Bäume, die wir vom Winter kennen, machten auf ihn den Eindruck, als wären sie tot. Auch das lange Tageslicht im Sommer und die schnelle Dunkelheit im Winter wie auch die Zeitumstellung waren neu für ihn. Die Nächte und Tage in seinem Heimatland sind dagegen immer gleich. Um 6 Uhr morgens wird es jeden Tag hell und um 18 Uhr wird es jeden Tag dunkel. 

Gegrilltes Meerschweinchen ist eine ecuadorianische Spezialität

Ein weiterer kultureller Unterschied betrifft das Essen. Washington Paladines fiel es schon in den ersten Wochen in Deutschland auf, dass die Deutschen zum Frühstück und zum Abendessen Brot essen. In Ecuador dagegen ist es üblich, zu jeder Mahlzeit viel Reis (arroz), Mais (mais), Maniok (yuca) und Kochbananen (verdes, patacones) in verschiedener Zubereitung und zu allen Mahlzeiten zu essen. Brot und andere Backwaren sind eher die Ausnahme.

Auch Suppen (caldos, sopas) werden sehr geschätzt und fast zu jeder Mahlzeit gegessen. An der Küste werden neben Fisch überwiegend Meeresfrüchte (mariscos) gegessen. Daraus wird dann mit viel frischem Limonensaft ein leckerer Meeresfrüchte-Cocktail (cebiche) zubereitet, wie uns Washington Paladines mitteilte: Als er seine ersten Gäste hier in Marburg zu diesem für seine Heimat typischen Gericht einlud, waren sie zu seiner Überraschung zunächst sehr skeptisch, denn der cebiche wird aus rohem Fisch zubereitet. Die anfängliche Skepsis schlug dann aber schnell in Begeisterung um. 

Eine sehr bekannte und schmackhafte Spezialität ist gegrilltes Meerschweinchen (cuy). Sehr verwundert war Herr Paladines dann auch darüber, dass die Kinder hier in Deutschland Meerschweinchen dagegen als Haustiere halten. Die Absicht, daraus einen Sonntagsbraten zu zaubern, kam eher nicht so gut an.

Was Herr Paladines in Marburg und anderen deutschen Städten sehr vermisst, sind die in Ecuador an jeder Straßenecke zu findenden Garküchen. Dort gibt es gegrilltes Fleisch und andere Mahlzeiten direkt auf die Hand. In Deutschland gibt es einen Bratwurststand oder ähnliches dagegen meistens nur zu Festen wie zum Beispiel Weihnachtsmärkten.

Auch wenn diese beiden Aspekte – Klima/Wetter und Essen/Mahlzeiten - neu und zunächst befremdlich sind, gilt doch für viele Menschen aus Ecuador, dass sie sich nach einiger Zeit gut hier in Deutschland, insbesondere dem bunten Marburg, einleben – dies gilt nach eigenen Angaben auch für Washington Paladines. 

von Sophia Honnef, Hanna Masheli Neumann und Carlotta Mund, Klasse 8b, Elisabethschule Marburg

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