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Schüler lesen die OP 2014 "Smartphones sind nicht notwendig"
Mehr OP extra Schüler lesen die OP 2014 "Smartphones sind nicht notwendig"
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15:27 19.03.2014
Eine Jugendliche spielt auf ihrem Smartphone. Die modernen Handys können süchtig machen.Foto: Henning Kaiser Quelle: Henning Kaiser
Marburg

OP: Was halten Sie von Smartphones?

Dr. Christian Wolf: Ich finde sie weder gut noch schlecht. Das Entscheidende ist, was man damit macht. Die Vorteile sind, dass man damit telefonieren, fotografieren, Videos und Töne aufnehmen und Dateien speichern kann. Es ist wie ein kleiner Computer. Die negativen Aspekte sind Dinge, die direkt mit den Smartphones zu tun haben. Zum Beispiel kann man jemanden ohne zu fragen fotografieren oder Schüler misshandeln und peinliche Fotos oder Videos ins Internet zu stellen. Doch das Schlimmste ist, dass man Smartphone-abhängig werden kann.

OP: Besitzen Sie selber ein Smartphone? Wenn ja, wofür benutzen sie es?

Wolf: Ja, ich habe ein iPhone, das ich von der Klinik zur Verfügung gestellt bekommen habe. Ich benutze es nicht oft und checke damit nur meine dienstlichen E-Mails. Es befindet sich zu 99 Prozent der Zeit in meiner Tasche. Ich habe aber auch ein „normales“ Handy, womit ich immer erreichbar bin. Da ich Chefarzt bin, muss ich immer abrufbereit sein. Ich finde dafür ein Handy praktischer, weil der Akku viel länger hält, als bei einem Smartphone.

OP: Finden Sie, dass es für Jugendliche gut ist, wenn sie schon als Kind ein eigenes Handy/Smartphone besitzen? Ab welchem Alter sollten Kinder beziehungsweise Jugendliche ein eigenes Smartphone besitzen?

Wolf: Ein normales Handy ist okay, weil die Kinder für ihre Eltern erreichbar sein müssen. In schwierigen Situationen können sie sich dann Hilfe holen. Aber ich finde, Smartphones sind nicht notwendig. Wenn man schon eines hat, muss man genau wissen, wie man es benutzt und welche Gefahren dadurch entstehen können. Doch viele Smartphonebesitzer wissen nicht genau, wie man es eigentlich richtig benutzt. Meiner Meinung nach sollten Kinder ab acht Jahren ein eigenes Handy besitzen und für ein Smartphone mindestens 14 Jahre alt sein.

OP: Welche Schäden können durch zu häufige Smartphonenutzung verursacht werden? Schaden Smartphones unseren Augen?

Wolf: Bisher sind noch keine medizinischen Schäden nachgewiesen worden. Mir ist auch nicht bekannt, dass ständige Smartphone-Nutzung den Augen schadet. Aber die Benutzung auf der Straße kann zu schlimmen Unfällen führen. Man sieht öfters, dass Jugendliche gegen Laternen laufen oder stolpern, weil sie nur auf ihre Smartphones schauen. Man liest außerdem auch immer wieder, dass Fahrrad- oder Autounfälle passieren, weil die Fahrer während des Fahrens telefonieren und deshalb abgelenkt sind.

OP: Wie kann man eventuellen Schäden vorbeugen?

Wolf: Das ist ganz einfach: Das Smartphone nur in den Situationen benutzen, wenn es nötig ist.

OP: Was machen die Jugendlichen wirklich, wenn sie vor ihrem Smartphone sitzen?

Wolf: Das müssen die Jugendlichen selber wissen. Am meisten werden WhatsApp, Telegram und Facebook benutzt und natürlich auch Spiele gespielt.

Keine Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit“

OP: Schränkt die ständige Smartphonenutzung wirklich die schulischen Leistungen ein?

Wolf: Ja, wenn man statt zu lernen nur auf sein Smartphone schaut. Natürlich kann man auch mit dem Smartphone etwas für die Schule machen, aber die meisten Jugendlichen können sich selbst nicht kontrollieren.

OP: Schadet die dauernde Erreichbarkeit unserer Gesundheit?

Wolf: Ja, man braucht auch zwischendurch mal Entspannung. Bei den Jugendlichen ist es eher noch ungefährlich, aber bei Erwachsenen ist es kritisch, weil sie sozusagen ihre Arbeit mit nach Hause nehmen. Dadurch gibt es keine Grenzen mehr zwischen Arbeit und Freizeit.

OP: Können auch psychische Probleme auftreten? Wenn ja, welche?

Wolf: Natürlich können auch psychische Probleme auftreten. Man kann selbst zum Opfer psychischer Gewalt werden und Angst vor der Öffentlichkeit bekommen. Diese kann in einer Therapie behandelt werden.

OP: Ab wann ist man wirklich Smartphone-süchtig?

Wolf: Das kann man leicht prüfen, indem man einen Selbsttest macht: eine Woche ohne Smartphone und nach einer Woche sehen, was geschieht. Wenn man aggressiv, depressiv und gestresst wird, ist man zu 99 Prozent Smartphone-süchtig. Es ist genauso wie bei anderen Suchtmitteln.

OP: Was können die Eltern für ihre Kinder tun, wenn sie merken, dass sie abhängig vom Smartphone sind?

Wolf: Sie können zu einer Suchtberatungsstelle gehen oder anonym anrufen. Eine weitere Möglichkeit ist, zu einer Erziehungsberatungsstelle zu gehen. Dort werden Gespräche, Tests oder Therapien durchgeführt.

OP: Merken die Jugendlichen selber, dass sie süchtig sind?

Wolf: Eigentlich schon, sie wollen es meist aber nicht wahrnehmen. Der Test, eine Woche darauf zu verzichten, kann die Augen öffnen.

OP: Wird man durch Smartphonenutzung einsam?

Wolf: Das kann man eigentlich nicht beantworten. Es gibt zwei Meinungen. Man wird durch Smartphonenutzung nicht einsam, wenn man auf dem Smartphone kommuniziert. Man kann aber auch einsam werden, wenn man auf Facebook 400 Freunde hat, in der Realität jedoch gar keine.

von Bodam Lee und Carolin Mauersberger,

Klasse 7b, Landschulheim Steinmühle Marburg