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Schüler lesen die OP 2014 Magersucht: "Alles unter Kontrolle"
Mehr OP extra Schüler lesen die OP 2014 Magersucht: "Alles unter Kontrolle"
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21:07 25.04.2014
Marburg

Die meisten Menschen, die an Magersucht erkranken, sind zwischen 15 und 24 Jahre alt. Magersucht kann dabei in vielen verschiedenen Erscheinungsformen auftreten. Am häufigsten verbreitet sind Bulimie und Anorexie. Eine bulimisch erkrankte Person erbricht zu sich genommene Nahrung, während eine an Anorexie erkrankte Person die Nahrungsaufnahme stark reduziert oder verweigert. Doch wie kommt es zu einer so schweren Krankheit? Grund für eine Erkrankung kann psychischer Druck, zum Beispiel im Familien- und Freundeskreis oder der Schule sein. Auch der Druck, dem allgemeinen Schönheitsideal entsprechen zu wollen, kann oft zu Magersucht führen.

Doch aus eigener Erfahrung kann ich, Elisa Tittl, berichten, dass es oft auch ohne offensichtlichen Grund zu einer Magersucht kommen kann. Der Verlauf einer Magersucht ist schleichend. Ich begann ohne mir erklärlichen Grund im Sommer des letzten Jahres die Nahrungsaufnahme zu reduzieren. Was mir zuvor als Zwischenmahlzeit diente, nahm ich als Mittagessen zu mir. Magersüchtige Personen ignorieren zu Beginn der Krankheit das Hungergefühl, welches im Verlauf der Krankheit verschwindet.

Magersüchtige sehen nicht ein, dass sie krank sind

Zu dieser Zeit stritt ich mich viel mit meiner Mutter. Ihre und die Sorgen meiner Mitmenschen über mein extrem gewordenes Essverhalten und meine sichtliche Abnahme konnte ich nicht verstehen. In meinen Augen hatte ich alles unter Kontrolle. Magersüchtige Menschen können, beziehungsweise wollen oft nicht einsehen, dass sie an dieser Krankheit leiden und verschließen sich deshalb gegenüber ihrem Umfeld. Warnungen und jeglichen Rat von fachkundigen Personen sowie von anderen Menschen ignorieren sie. So auch bei mir. Trotz regelmäßiger Besuche bei einer

Psychologin wollte ich nicht einsehen, dass ich an Magersucht leide und glaubte weiterhin, alles unter Kontrolle zu haben. Immer wieder nahm ich mir aber vor, mein Gewicht zu halten und nicht weiter abzunehmen. Doch mit meinem Essverhalten zu diesem Zeitpunkt missglückte dieses Vorhaben.

"Es kam der Punkt, an dem es lebensgefährlich wurde"

Irgendwann kam dann schließlich der Moment, an dem ich letztlich einsehen musste, dass mein Gewicht sich in einem Bereich befand, in dem es lebensgefährlich werden könnte.

Dies ist häufig der Punkt, an dem einer magersüchtigen Person nur noch der freiwillige oder unfreiwillige Aufenthalt in einer speziellen Klinik hilft. Dort sollen Magersüchtige lernen, normal mit Lebensmitteln umzugehen und keine Angst vor dem Zunehmen zu haben. Die meisten Magersüchtigen fürchten, bei regelmäßiger, normaler Nahrungsaufnahme, sofort sehr viel zuzunehmen. Diese Befürchtung hatte auch ich, als ich mit der Hilfe meiner Familie, meiner Freunde und meiner Psychologin begann, wieder mehr zu essen.

Nie ganz geheilt

Oft dauert es eine Zeit, bis sich die Aufnahme von Nahrung bei magersüchtigen Personen normalisiert hat, da man Essen in solchen Mengen nicht mehr gewohnt ist. Auch bei mir dauerte es eine Weile, bis ich wieder normale Portionen zu mir nehmen konnte. Meine Befürchtungen, direkt viel zuzunehmen, bestätigten sich zu meiner Beruhigung nicht.

Die meisten Magersüchtigen werden – wie bei anderen Suchterkrankungen auch – nie ganz geheilt sein. Viele Gedanken werden sich auch bei Normalgewicht weiterhin um das Essen, die Figur und das Gewicht drehen. Doch mit viel Willenskraft lernt man, damit entsprechend umzugehen.

Wir können allen, die an dieser Krankheit leiden oder gelitten haben, nur wünschen, dass sie in Zukunft wieder mit Genuss essen und ihr Leben wieder genießen können.

von Elisa Tittl und Afra Rahmannejad, Klasse 8b, Gymnasium Philippinum Marburg