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Schüler lesen die OP 2014 Kein Recht, über andere zu urteilen
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21:52 25.03.2014
Müzeyyen Küccükoruc (links) und Melanie Puschner (rechts) setzen sich dafür ein, dass Homosexuelle, wie ihre Klassenkameradin Julia Engel (Mitte) in der Gesellschaft akzeptiert werden. Foto: Kimberley Curtis
Marburg

Mit der Orientierung zu gleichgeschlechtlichen Partnern ist oftmals ein Coming-Out verbunden. Coming-Out beschreibt den Entwicklungsprozess, in dem die gleichgeschlechtliche Identität von einem selbst akzeptiert und infolgedessen dem Umfeld mitgeteilt wird. Dabei stellt sich die Frage, aus welchem Grund Homosexuelle sich outen, während Heterosexuelle sich für ihre Sexualität nicht rechtfertigen müssen. Welche Gedanken, Gefühle und womöglich Ängste bringt ein Coming-Out mit sich?

Ein aktuelles Beispiel, das die Klasse 12 FOS 2 (Fachoberschule Sozialwesen) der Käthe-Kollwitz-Schule zum Nachdenken angeregt hat, ist eine Mitschülerin, die sich zu einem Coming-Out vor der Klasse entschieden hat. „Durch gewisse Gegebenheiten hat es gepasst, mich zu outen. Es war eine Art Befreiung, da ich mich, aufgrund der im Unterricht behandelten Themen, ‚verdeckt‘ gefühlt habe“, erzählt Julia Engel.

Erfreut war sie über positive Reaktionen ihrer Mitmenschen, die ihr sehr viel Toleranz und Unterstützung entgegenbrachten. „Die Lehrer sind sehr vorsichtig mit diesem Thema umgegangen und es hat mich positiv überrascht, dass meine Klassenkameraden mich sehr wertgeschätzt und weiterhin akzeptiert haben“, fügt die 18-jährige hinzu.

„Nur wenige Personen stoßen auf Akzeptanz“

Ein Coming-Out stößt jedoch nicht bei allen Menschen auf vollkommene Akzeptanz, wie sie berichtet. „Auch wenn der Großteil die Homosexualität akzeptiert, gibt es immer noch Menschen mit homophober Einstellung. Mir wurden auch schon homophobe Äußerungen entgegengebracht“, so Engel. Der Begriff „Homophobie“ beschreibt eine gegen Homosexuelle gerichtete Feindseligkeit. Diese kann von Vorurteilen bis hin zur körperlichen Gewalt reichen, was das Coming-Out für viele deutlich erschwert.

„Ich kenne leider nur wenige Personen, denen ebenfalls so viel Akzeptanz entgegengebracht wurde wie mir“, weiß Engel zu berichten.

Die Entscheidung zum Coming-Out ist mit vielen Ängsten verbunden, denn die Reaktion der Eltern und Freunde ist ungewiss. Menschen mit homophober Einstellung wollen sich häufig nicht in die Lage des Homosexuellen versetzen. „Ich stelle mir immer wieder die Frage, woher sich viele Menschen das Recht nehmen, über das Leben eines anderen Menschen zu urteilen, oder warum sie sogar versuchen, in dieses einzugreifen“, kommentiert Engel.

„Schwul“ wird häufig als Beleidigung verwendet

Kritisch betrachtet stellt auch die heutige Jugendsprache ein zusätzliches Problem dar, da der Begriff „schwul“ mitunter als Beleidigung verwendet wird. Des Weiteren lassen sich manche Jugendliche zu sehr vom „Gangster-Rap“ beeinflussen. In diesen Liedern wird Homosexualität überwiegend mit Schwäche und Ekel in Verbindung gebracht. Im Kontrast dazu ist es erfreulich, dass es Sänger gibt, die sich mit Homosexualität befassen und die Menschen zum Nachdenken anregen. Der amerikanische Sänger „Macklemore“ äußert beispielsweise in seinem Lied „Same Love“, dass alle von demselben Gott stammen und kein Gesetz einen Menschen ändern könne. Dieses Beispiel verdeutlicht, dass Musik auch dazu genutzt werden kann, positive Botschaften zu vermitteln und Homosexuellen Mut zu geben.

Julia Engel ist sich jedenfalls sicher: „Vielfalt gewinnt“. Schwulen und Lesben, die vor der Frage des Coming-Outs stehen rät sie, sich jemandem anzuvertrauen. „Denn es wird immer Menschen geben, die einem Rückhalt geben und Akzeptanz zeigen“.

von Müzeyyen Küccükoruc und Melanie Puschner,

Klasse 12 FOS 2, Käthe-Kollwitz-Schule Marburg