Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Lokales Einfach mal nachfragen!
Mehr OP extra Kommentare Meinung Lokales Einfach mal nachfragen!
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:28 03.01.2014
Marburg

. Die Eintunnelung der Stadtautobahn ist ein solches Beispiel, Marburgs Bewerbung für die Bundesgartenschau 2029 ein anderes. Wer noch vor zwei Jahren gesagt hat, Marburg habe entfernt eine Chance, seine Autobahn unter die Erde zu verlegen, wurde ausgelacht.

Visionen werden Wirklichkeit - weil Bürger sie wollen, sich dafür stark machen, sich engagieren. Das ist für mich das Ereignis des Jahres 2013.

Und das liegt im Trend: Deutschlandweit engagieren sich immer mehr Menschen für das Gemeinwesen - mit Taten oder mit Geld, wie die Bertelsmann-Stiftung herausgefunden hat.

Anders formuliert: Wenn die Politik nicht weiß, wo es hingehen soll - einfach mal die Bürger fragen. Einen Anfang hat die Stadt versucht, als sie im Frühjahr eine „Bürgerbeteiligung“ für die Entwicklung eines Verkehrskonzepts für das Nordviertel ins Leben rief. Das Ergebnis war eher kümmerlich, es meldeten sich die üblichen Verdächtigen zu Wort. Profitiert hat vor allem eine Beraterfirma, die mit der Organisation betraut war.

Jetzt sollen, ab Februar, 400 Marburger an den Planungen für die Bundesgartenschau beteiligt werden. Ob dabei mehr herauskommt? Sicherlich nur dann, wenn man es ernst meint mit Beteiligung der „Normalos“ in dieser Stadt. Vielleicht sind sie unbequem, vielleicht haben sie Flausen im Kopf, vielleicht führen nicht alle Ideen zum Ziel. Aber: die „Normalos“ sind die wahren Experten, sie leben hier, sie lieben ihre Stadt und ärgern sich trotzdem, sie haben Detailkenntnis und Erfahrungen, die zu nutzen sind. Keine Beraterfirma, kein Planungsbüro, keine Politikstiftung kann dies ersetzen. Wenn die Marburger Kommunalpolitik dies 2014 hinbekommt, wird es ein gutes Jahr für Marburg.

Nur eine Vision? Mag sein. Aber sie gründet auf Vorbildern: Auf denen der vielen Genossenschaften etwa, die sich rund um Marburg gebildet haben, weil die Bürger ihre Energieversorgung in die eigenen Hände nehmen. Auf den Erfahrungen, die in der freien Wirtschaft im betrieblichen Vorschlagswesen gemacht werden. Sie zeigen: Es geht. Man müsste einfach mal nachfragen.

von Till Conrad