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Auch ohne Nachweis gut

Standpunkt Auch ohne Nachweis gut

Es gibt Dinge, die muss man nicht mit Statistiken beweisen wollen. Die Aktion Bob gehört dazu.

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Marburg. Es ist verständlich: Nach fünf Jahren will die Polizei mit einer Studie über die Rückgänge der Unfallzahlen in der Bob-Zielgruppe unterstreichen, wie gut das Programm wirkt. Das ist schließlich auch ein Argument, dafür weiter Geld locker zu machen. Was die Gießener Wissenschaftler untersucht haben, zeigt aber nur einen Teil der Wahrheit. Und das sagen die Autoren auch. Ihre Studie sammeltIndizien, die einen Bob-Effekt bestätigen könnten.

Doch welchen Anteil die gelben Schlüsselanhänger an dem erfreulichen Rückgang der Unfallzahlen bei 18- bis 24-Jährigen wirklich haben, können sie nicht beziffern. Niemand kann das. Denn Unfälle, die nicht geschehen, weil sich der Mensch mit Bob-Anhänger richtig verhalten hat, werden nirgends gezählt. Ebensowenig wird bei der Unfallaufnahme berücksichtigt, ob der Fahrer einen Bob in der Tasche hatte.

Lassen wir es also doch einfach dabei, dass „Bob“ seinen Teil zur Unfallvermeidung beiträgt. Genauso vielleicht wie die Tatsache, dass seit der staatlichen Abwrackprämie viel mehr „sicherere“ Autos unterwegs sind; oder die Vermutung, dass junge Menschen genauso an ihrem Leben hängen wie ältere - und sich deshalb genau anschauen, wer sie in welchem Zustand durch die Gegend fährt. Letztlich ist es egal, was den Ausschlag gibt. Denn wenn auch nur ein Menschenleben durch die Aktion gerettet wurde, wovon wir - auch ohne wissenschaftliche Unterstützung - ausgehen, hat die Aktion Bob ihre Berechtigung: weil sie, über den gelben Anhänger hinaus, das Thema erst zum Thema macht. Ob man als „Bob“ in der Kneipe die Gratis-Belohnung einfordert oder nicht, ist zweitrangig. Wichtiger ist, dass damit Sinn geschärft wird, dass zur Erlaubnis, ein Auto zu steuern, diese Art von Reife einfach dazugehört.

von Michael Agricola

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