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Unsinnige Regel

Einwurf Unsinnige Regel

Die - für Deutschland glückliche - Last-Second-Entscheidung im Degen-Halbfinale wirft viele Fragen auf. Sowohl Britta Heidemann als auch ihre südkoreanische Gegnerin hätten den Sieg verdient gehabt. Sportlich wäre es, die Verlängerungsregel zu ändern.

Marburg. Es war die längste Sekunde der Spiele in London, vielleicht sogar die längste in der Geschichte Olympias. Am Ende dieser Sekunde, die sich über Minuten hinzog und eine Diskussion von knapp einer Stunde nach sich zog, stand Britta Heidemann im Degenfinale. Zu Gold reichte es für die Fechterin nicht, aber immerhin war die erste deutsche Medaille perfekt.

Auf der anderen Seite war die Südkoreanerin Shin A-Lam untröstlich, weinte bitterlich und verließ die Planche nur unter Protest. Verständlich. Denn in der Verlängerung stand es unentschieden und die Asiatin hatte den Vorteil zugelost bekommen - bei einem Remis wäre sie ins Finale eingezogen. Dreimal traten die beiden Fechterinnen an, als noch eine Sekunde auf der Uhr stand. Zweimal gab es einen Doppeltreffer, dann schlug Heidemann zu und traf. Und das alles innerhalb einer Sekunde?

Fakt ist, dass das Gefecht dreimal wieder freigegeben wurde. Ob die Zeitnahme einwandfrei war, darüber lässt sich streiten. Allerdings hätte es nicht zu diesem tränenreichen Drama kommen müssen. Die Probleme sind vom Weltfechtverband hausgemacht. Denn was soll diese unsinnige Vorteilsregel in der Verlängerung? Der nächste Treffer entscheidet - das wäre völlig okay. Zur Not wird eben noch einmal verlängert. Doch vorher nach dem Zufallsprinzip auszulosen, führt zu einem Diskussionsdebakel wie am Montag. Man stelle sich das im Fußball vor: DFB-Pokal-Finale zwischen Eintracht Frankfurt und Bayern München, Verlängerung. Vorher wird ausgelost: Wenn es beim Remis bleibt, sind die Bayern Pokalsieger. Im Fechten gilt leider dieses Prinzip. Die Regel gehört abgeschafft.

von Holger Schmidt

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