Volltextsuche über das Angebot:

28 ° / 14 ° wolkig

Navigation:
Liebe Leute,

Ortsdiener Karl Liebe Leute,

heute wird es herzzerreißend.

Freund Flori aus dem Nachbarzimmer fuhr am Donnerstagabend über die B 62, als er auf Höhe des Amöneberges am Straßenrand ein Kätzchen hocken saß. Ordnungshüter mögen nun bitte beide Augen zudrücken: Er ging in die Eisen und hielt auf der Abfahrt Richtung Kirchhain an, marschierte zurück und tatsächlich: Verängstigt hatte sich ein Katzenkind fernab jeglicher Bebauung am Straßenrand zusammengekauert.

Sitzen lassen geht ja nicht bei so viel vorbeidonnerndem Verkehr, also hinein ins Auto mit dem Fellknäuel, das es sich sogleich auf einem Atlas bequem machte. Scheinbar hat es den Hang, die Richtung anzugeben. Und seinen Senf überall dazuzugeben, denn schon bald fing es an, zur Musik mitzusingen. „Stairway to heaven“ schien ihm zu gefallen. Zuhause wusste Flori nicht so recht weiter. Um ungestört überlegen zu können, setzte er das äußerst zutrauliche und scheinbar menschengewöhnte Kätzchen auf einem Handtuch ins Waschbecken, aus dem es nicht fliehen konnte. Wohl aber einiges an Unsinn treiben: Zum Beispiel ins Wasserschälchen latschen und in Panik geraten oder die Seife herunterwerfen, an ihre Stelle treten und auf dem rutschigen Untergrund mit seinen viel zu langen Beinen auf der Suche nach Halt ein kleines Tänzchen aufführen.

Doch was tun? Gut, dass ein Besuch bei Freund Maddin anstand, dessen Kleinfamilie schon immer ein Haustier haben wollte. Maddins Herz hat das Kätzchen in Windeseile erobert. Und auch das seiner Freundin Andrea, die sogleich Gemeinsamkeiten entdeckte: Sowohl sie als auch das Kätzchen können überall und zu jeder Zeit einschlafen, was beide später auch eindrucksvoll bewiesen. Als sie aufwachten, war das Kätzchen so schnell wie den ganzen Abend noch nicht: Es sprang über ein Bein auf den Esstisch und attackierte ein Stück Pizza. Komischerweise das mit Pasta (würg) und nicht das mit Thunfisch. Derweil plünderte Andrea etwas weniger schnell aber ebenso gnadenlos die Keksedose und fauchte ähnlich, als sie ihr weggenommen werden sollte.

Einen Namen hat die Katze nun auch: Flori und Maddin wollten sie nach intensiven Überlegungen nach einem Baseballer benennen und sie „Kazuisha“ taufen. Dann kam jedoch der typisch weibliche Satzteil, nach dem nicht mehr diskutiert werden muss: „Ja, aber...“ Also heißt Kazuisha jetzt Olaf - auch wenn keiner weiß, ob‘s Männchen oder ein Weibchen ist. Gehört sich ja nicht, gleich am ersten Abend der Beziehung einen Blick zwischen die Beine zu werfen! Aber: Vielleicht ist Findelkind Kazuisha-Olaf jemandem abhanden gekommen. Eine Markierung oder Tätowierung hat er/sie nicht. Sollte also jemand ein schwarz-weißes Kätzchen vermissen: einfach die OP-Redaktion anrufen unter 06428/926215.

Und nix für ungut,

Euer Ortsdiener Karl

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Die Glosse
Von Redakteur Florian Lerchbacher