Volltextsuche über das Angebot:

30 ° / 13 ° wolkig

Navigation:
Für billiges Essen zahlen wir einen zu hohen Preis

Gesunde Mahlzeiten Für billiges Essen zahlen wir einen zu hohen Preis

Tiefgefrorene Erdbeeren aus China, die zu einer Süßspeise für Schüler und Kindergartenkinder verarbeitet wurden, haben wohl die Lawine an Brech-Durchfall-Erkrankungen ausgelöst. Wenn der Fall keine Schule machen soll, müssen wir umdenken. Eine Streitschrift.

Voriger Artikel
Liebe Leute,
Nächster Artikel
Liebe Leute,

Marburg. Wenn wir uns klar machen, dass wir Monate nach der eigentlichen Saison der Früchte „Grießbrei mit Erdbeerkompott und Kirschen“ in Kantinen von Schulen und Kindertagesstätten auftischen, sollte sich uns Erwachsenen aus gutem Grund der Magen umdrehen.

Und zwar nicht allein deshalb, weil die haltbar gemachte Container-Ware, die dafür tiefgekühlt aus China importiert worden ist, womöglich schon mit Keimen verseucht war. Oder bei uns schlicht falsch verarbeitet wurde. Sondern auch deshalb, weil die bisher größte durch Lebensmittel verursachte Krankheitswelle just in die beste Erntezeit für viele einheimische Obstsorten fällt. Eine Zeit, in der Äpfel oder Birnen preiswert und im Überfluss vor der Haustür zu haben sind.

Eltern sind nicht bereit, genug zu zahlen

Es sollte uns auch schlecht werden, weil der Fall auf erschreckende Weise zeigt, dass wir auch an dieser Stelle für billiges Essen einen zu hohen Preis zahlen. Auf Kosten unserer Kinder. Sind sie uns wirklich so wenig wert?

Für ein Schulessen in der Kantine zahlen Familien etwa zwei bis drei Euro. Ernährungsexperten weisen nun wiederholt darauf hin, dass viele Eltern nicht bereit oder in der Lage seien, mehr dafür auszugeben. Schlimm genug.

Nach Abzug der Mehrwertsteuer, der Kosten für Personal, Energie und Logistik bleiben dem Hersteller pro Portion aber oft nur noch etwa 50 Cent für die Zutaten. Welche Qualität dürfen wir da noch erwarten?

Eben im Unterricht lernen unsere Kinder also noch die Zusammensetzung einer gesunden und ausgewogenen Ernährung kennen. Sie pauken die guten Gründe für eine saisonale und regionale Küche. Um sich von uns - Eltern, Politikern und anderen Erwachsenen, die das dulden - aus reinen Kostengründen dann das warm gehaltene, matschige Gegenteil davon auftischen zu lassen. Welch ein Wahnsinn!

Klar, es gibt Ausnahmen

Städte und Kreise, die auf regionale Produkte und Zulieferer setzen, für besseres Essen sogar Zuschüsse zahlen. Eltern, die für eine bessere Versorgung in Ganztages-Einrichtungen selbst in der Küche stehen. Das Billig-Essen ist aber leider die Regel. Und zwar nicht nur in öffentlichen Einrichtungen, sondern auch in den privaten Haushalten.

Auch dort haben wir es aber in der Hand, auf Qualität und nicht nur auf den Preis zu achten. Solange wir uns aber lieber zu Dumpingpreisen mit aufgebackenen Teiglingen oder eingeschweißter Fleischmasse versorgen, die auf weiten Wegen herangeschafft und als frisch verkauft wird, dürfen wir uns über den Verlust vom Metzger oder Bäcker um die Ecke nicht wundern. Dann dürfen wir auch nicht darüber klagen, dass Bauern aufgeben. Oder schlicht pleite gehen, weil sie zum Beispiel von den wenigen Cent, die sie selbst für die erzeugte Milch zurückbehalten, nicht leben oder ihre Familie versorgen können.

Vielleicht sind auch die Dumpingpreise schon der wesentliche Grund dafür, dass viele Deutsche den Respekt vor Lebensmitteln verloren haben, viel zu viel davon verschwenden und zu früh in den Müll werfen: Was so wenig kostet, das ist manchen offenbar nichts wert.

Machen wir uns bewusst, dass wir auch hier Vorbilder sein müssen. Allen Kindern zuliebe, die ein Recht darauf haben, den Wert einer gesunden Mahlzeit kennen und schätzen zulernen. Das sollten sie uns mindestens wert sein.

von Christoph Linne

Voriger Artikel
Nächster Artikel