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Ein Baum ohne Spitze

Ortsdiener Karl Ein Baum ohne Spitze

Es ist eine schöne und sehr gute Sitte, dass die jungen Burschen aus dem alten Dorf der jungen Stadt im Grünen freitagabends den Kirmesbaum aus dem Wald holen und ihn aufrichten.

Vergangenen Freitag gelang das aber nicht so ganz, wie mir aus berufenem Munde erzählt wurde. Den Baum hatten die kräftigen Jungen ordnungsgemäß umgemacht. Danach begann das Ziehen des stolzen Baumes in Richtung Standort. Nach etwa 200 Meter müssen die Kirmesbaumholer aber gemerkt haben, dass entscheidendes fehlt: Der Baum hatte keine Spitze und die gehört einfach dazu. Also blieb keine andere Wahl, ein weiterer Baum musste fallen und dann an seinen Ort gebracht werden. Diesen Entschluss setzten die jungen Dorfbewohner auch um. Doch zunächst blieb der erste Baum dort, wo man ihn hatte liegen lassen. Das war wohl auf Milans Feld, nahe dem Futterplatz. Aber auf die Jugend ist in jedem Falle Verlass, sie belehrte alle Zweifler eines besseren. Am nächsten Tag wurde der Altbaum dann mit Motoren- statt mit Muskelkraft abtransportiert, was mein Beobachter ausdrücklich lobt. Die ein oder andere leere Bierflasche, die entsorgt werden musste, sei verziehen, lässt er ausrichten. Auf alle Fälle hat das alte Dorf am Ende einen schönen Kirmesbaum bekommen. Und das Kirchweihfest soll ja auch rundherum gelungen sein, wie mir einige erzählt haben.

Und nix für ungut!

Euer Ortsdiener Karl

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