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Die Glosse Demokratie am Hofe des Sonnenkönigs
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21:51 25.06.2013

Dass die SPD in der Gemeinde Ebsdorfergrund ihrem Bürgermeister Andreas Schulz meist blind vertraut, ist bekannt. Das kann man gut finden - oder nicht. Dass die Verehrung so weit geht, dass manche Genossen aus der selbsternannten Sonnenscheingemeinde zur Revolution aufrufen und mit Gebrüll auf die Parteispitze im Kreis losgehen, überrascht aber doch. Und beweist ein widersprüchliches Demokratieverständnis, das sie gleichwohl mit Schulz zu teilen scheinen.

Der Vorwurf zielt auf die hastige Nachfolgefindung nach dem überraschenden Rückzug des SPD-Landratskandidaten Michael Richter-Plettenberg. Schon einen Tag nach dessen Rücktritt präsentierte die SPD-Spitze die Marburgerin Kirsten Fründt als ihren neuen Vorschlag - ohne Rücksprache mit Ortsvereinen und ohne die Kandidatenfindung, die man zuvor beim ersten Anlauf zelebriert hatte. Wie hätte das auch gehen sollen, wenige Tage vor Bewerbungsschluss? Dieser abrupte Kandidatenwechsel ist auch nicht schönzureden. Es ist für die SPD ein Super-GAU, der oder die Neue muss auf ein galoppierendes Pferd aufspringen. Gewählt wird dieser tollkühne Reiter allerdings erst am Samstag. Und die Demokratie sieht vor, dass sich neben Kirsten Fründt dann auch andere zur Wahl stellen können.

Bei so etwas machen aber die Getreuen um die Ikone Andreas Schulz nicht mit. Die Grundpartei bleibt schmollend zu Hause. Auch Schulz hat bisweilen so seine Probleme mit Auseinandersetzungen, die nicht im eigenen Sinne einstimmig ausfallen könnten. Schon 2006 ließ er seine Landrats-Kandidatur im Vorfeld scheitern, weil ihm vom SPD-Kreisvorstand nicht einstimmig das Vertrauen ausgesprochen wurde. Im vergangenen Jahr mochte er sich nicht für ein „Cas­ting“ gegen Richter-Plettenberg hergeben und verzichtete auch hier noch vor einem demokratischen Votum. Jüngst kündigte er an: „Ich bleibe Bürgermeister“ - weil man ihm von der Kreis-SPD erneut keinen roten Teppich ausgerollt hatte. Wenn die SPD im Grund also auf mehr Demokratie und weniger Willkür in der Kandidatenfrage pocht, ist das ihr gutes Recht. Wenn sie einen Gegenkandidaten ins Rennen schicken will, auch. Wenn Andreas Schulz Landrat werden will - nur zu. Der Ort dafür ist aber der SPD-Parteitag. Oder außerhalb der Parteien - da kann man die Regeln auch selbst definieren. Wie einst am Hofe des Sonnenkönigs.