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Chorleben

Ortsdiener Karl Chorleben

War die Tage mal in Eisenach, um in Bachs Taufkirche St. Georg das Auftakt-Konzert der Thüringer Bach-Wochen zu hören. Habe dabei mit Schrecken festgestellt, das der Personalabbau inzwischen die Hochkultur erreicht hat.

Gespielt wurde die Matthäus-Passion, die Eisenachs berühmtester Sohn für zwei Orchester und zwei Chöre geschrieben hat. Das macht die Sache ziemlich aufwändig und teuer, weil personalintensiv. Nicht so in Eisenach, wo die beiden „Chöre“ zusammen aus vier Frauen und vier Männern bestanden. Dumm nur, dass Bach für dieses Werk neunstimmige Chorsätze geschrieben hat. Da der polyphone Sänger noch nicht erfunden ist, übernahm die Solo-Sopranistin zusätzlich die neunte Chor-Stimme. In den „beiden“ Orchestern fiedelten und bliesen ganze 20 Musiker. Damit nicht genug: Der „Dirigent“ spielte das Orgel-Positiv, und gelegentlich dirigierte er mit der linken Hand dazu. Dirigieren wird ohnehin maßlos überschätzt. Überflüssig zu sagen, dass die musikalischen Spar-Champions aus Schottland kamen. Was kommt als Nächstes? Teil-Play-back von der CD und ein prozessorgesteuerter Hampelmann als Dirigent? Bin gespannt, wer sich dabei durchsetzt: Karajan2.0 oder Barenboim1.4? Den Kosten-Optimierern von McKinsey tut sich da ein weites Betätigungsfeld auf. Und ich ziehe mich enttäuscht an meinen CD-Player zurück. Nix für ungut,

Euer Ortsdiener Karl

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