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Zweierlei Maß

Timoschenko Zweierlei Maß

Die Empörung kennt keine Grenzen: Europapolitiker und Minister, die Kanzlerin und den russische Präsidenten, ja sogar Uli Hoeneß vom FC Bayern treibt eine Sorge um: Wie geht es Julia Timoschenko in der Ukraine?

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Gewiss, die Lage ist für die inhaftierte ehemalige Regierungschefin dramatisch genug, Hungerstreik, Krankheit und Gewalt gegen die einstige Hoffnungsträgerin der „Orangenen Revolution“ sind Anlass zur Sorge. Schon sollen die deutschen Nationalspieler, die guter Dinge zur Europameisterschaft reisen wollten, politische Stellungnahmen abgeben. Aber: Ist das nicht eine Überforderung?

Alle Appelle zur Freilassung Timoschenkos oder doch mindestens ihrer Behandlung in Deutschland sind sachlich gerechtfertigt. Tatsächlich aber messen Deutschland und Europa hier mit zweierlei Maß. Niemand hat etwa bei den Olympischen Spielen in Peking von deutschen Leichtathleten Petitionen an die chinesische Führung verlangt, welche Bürgerrechtler und Oppositionelle im Reich der Mitte gerade freizulassen sind. Kein Zweifel: Im Fall der Ukraine, die in politischer und wirtschaftlicher Hinsicht ein paar Nummern kleiner ist als China, ist der Mut zur politischen Anklage deutlich größer. Dass ausgerechnet Russland noch ein paar menschenrechtsdienliche Hinweise für die Führung in Kiew bereithält, entbehrt mit Blick auf den eigenen Politikstil gegen Bürgerrechtler und Freigeister aller Couleur nicht bitterer Ironie.

So ist die neue Allianz von Medwedew bis Hoeneß doch hoffentlich nur ein kurzes Bündnis auf Zeit. Ob Timoschenko dadurch schneller in ärztliche Obhut gelangt, ist völlig offen. Die Ukraine, die schon mal in die EU wollte, macht angesichts der Proteste die Schotten dicht. Und das kann im Interesse Timoschenkos niemand wollen.

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