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Zwei Züge voraus

Steinbrück Zwei Züge voraus

Sein erstes Versprechen, es werde einen munteren Wahlkampf geben, hat Peer Steinbrück schon eingelöst. Union und FDP haben sich mit einer Begeisterung auf die Nebeneinkünfte des Sozialdemokraten gestürzt, als hätten sie die politische Auseinandersetzung mit der Opposition lange schmerzlich vermisst.

Das ist freilich nur ein Teil der Erklärung für das muntere Kandidatenjagen.

Eine andere Deutung legt nahe, dass das Dauergezerre zwischen CSU und CDU, zwischen FDP und Union und unter den Liberalen ein wenig langweilig geworden ist. Schön also für die politischen Streithähne, dass der gerade mal nominierte Kandidat eine Schwachstelle aufweist.

Ob es wirklich eine ist, wird sich erst noch zeigen, wenn die von Steinbrück beauftragten Wirtschaftsprüfer seine Auftraggeber und seine Einkünfte offenlegen. Dass ausgerechnet die wirtschaftsnahen Parteien wie CSU und FDP aber derweil so tun, als habe Steinbrück seine Reden etwa vor der Bundesvereinigung der Taschendiebe oder vor der Interessengemeinschaft Anonymer Steuerhinterzieher gehalten und nicht vor Banken, Unternehmen und Verbänden, die allesamt ehrenwerte Mitglieder dieser Gesellschaft sind, müsste dem geneigten Publikum schon aufgefallen sein.

Dass sein Gegenangriff zwei Züge vorauseilt, ist bei einem Schachspieler nicht außergewöhnlich. Zum einen bittet Steinbrück seine Kritiker, die Maßstäbe doch gefälligst selbst zu erfüllen, die sie bei ihm anlegen. Zum anderen fordert er ein, die Regeln für die Offenlegung von Nebeneinnahmen endlich so zu verschärfen, wie es seine Partei schon lange vorschlägt, die Union und vor allem die FDP es aber verweigern. Wenn sich die Steinbrück-Jäger nicht blamieren wollen, müssen sie über das Stöckchen springen, das sie ihm hinhalten.

von Reinhard Urschel

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