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Zulasten Dritter

Rente Zulasten Dritter

Es sind aus Sicht der Älteren die populärsten Vorhaben der Großen Koalition: mehr Rente für Frauen, die vor 1992 Kinder geboren haben, und Ruhestand mit 63 für alle, die 45 Jahre Beitrag gezahlt haben.

Das erste ist ein Herzensanliegen der Union, das zweite das Wunschprojekt der SPD. Die Argumente dafür klingen gut. Warum nur jüngeren Müttern den Nachwuchs im Alter belohnen, die es heute leichter haben, Beruf und Kind in Einklang zu bringen? Und reicht es etwa nicht, 45 Jahre geschuftet zu haben, um die volle Rente zu beziehen?

Trotzdem: Es ist eine Abmachung zulasten Dritter, nämlich der jüngeren und mittleren Generation. Sie zahlen dafür - erst durch ausfallende Senkungen des Beitrags, dann durch absehbare Steigerungen. Die Rente mit 67 war die Antwort darauf, dass wir im Durchschnitt immer älter werden und gleichzeitig immer weniger Kinder in die Welt setzen, die uns im Alter finanzieren.

Die Rentenversicherung ist eine Umlagekasse - sie zahlt eingezogene Beiträge gleich wieder aus. Logisch, dass das System in eine Schieflage gerät, wenn die Zahl der Empfänger wächst und die der Einzahler sinkt. Die neuen Leistungen werden diesen Trend beschleunigen. Nicht sofort. Dank der guten Konjunktur ist genug Geld in der Kasse. Das wird sich aber ändern, wenn in wenigen Jahren die geburtenstarken Jahrgänge aufs Altenteil wechseln. Dass die Mütterrente der Rentenkasse aufgedrückt wurde, ist ein Ärgernis. Sie müsste aus Steuergeldern bezahlt werden. Die Rente mit 63 ist de facto eine Begünstigung stabil beschäftigter Männer. Frauen haben wegen Kinder-Auszeiten weit weniger von der Reform.

von Arnold Petersen

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