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Wider den Praxis-Obolus

Gesundheitspolitik Wider den Praxis-Obolus

Es gehört schon eine gehörige Ignoranz dazu, heute noch die vor acht Jahren eingeführte Praxisgebühr zu verteidigen.

Die „Ulla-Gebühr“, nach der damaligen SPD-Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt, hat weder überflüssige Arztbesuche vermeiden noch Patientenströme besser steuern können. Es gibt leider genügend dramatische Fälle, bei denen wegen der Gebühr notwendige Arztbesuche unterblieben. Der Praxis-Obolus ist, wie von vielen Kritikern bereits damals befürchtet, zu einer bürokratischen Gebühr geworden, die Kranken in die Tasche greift und Arztpraxen unnütze Arbeit beschert. Den Krankenkassen freilich spült die Gebühr rund zwei Milliarden Euro im Jahr ein.

Umso bemerkenswerter ist es, dass nun erstmals eine Kasse, die Techniker Krankenkasse nämlich, aus der Phalanx der still Kassierenden ausbricht. Gute Gründe gegen den Praxis-Obolus gibt es genug. So haben die gesetzlichen Krankenkassen wegen der guten wirtschaftlichen Entwicklung inzwischen sogar rund 20 Milliarden Euro auf der hohen Kante. Auf die Zuzahlung pro Quartal und Praxisbesuch kann also auch finanziell gut verzichtet werden. Ohnehin werden Kranke bereits durch weitere Zuzahlungen für Arzneien, Heil- und Hilfsmittel, im Krankenhaus und bei der Rehabilitation, bei der häuslichen Krankenpflege oder den Fahrtkosten geschröpft. Wann dämmert das eigentlich auch der Union, die die Praxisgebühr immer noch mit Zähnen und Klauen verteidigt?

Noch weiter in der Ignoranz gehen da freilich die Arbeitgeber. In einem Papier ihrer Spitzenvereinigung BDA verlangen sie sogar flott eine Gebühr von fünf Euro für jeden Arztbesuch. Das würde Kranke um eine weitere Milliarde Euro belasten. Geht‘s noch?

von Reinhard Zweigler

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