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Unverantwortliches Schwadronieren

Euro-Krise Unverantwortliches Schwadronieren

Dass der bayerische Löwe hin und wieder kräftig brüllt, ist eigentlich nichts Neues. Es gehört gewissermaßen zum grantelnden Selbstverständnis der weiß-blauen Staatspartei, mit deftigen Forderungen Stimmung zu machen.

Ob das Berlin nun passt oder nicht. Ob die Regierungschefs der Euro-Länder im Fall Griechenland gerade in einem wahren Drahtseilakt über dem Abgrund balancieren oder nicht. CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt ist ein krachender Vertreter jener Mir-san-mir-Fraktion, die bei den Christsozialen den Ton angeben. Erst vor kurzem hat Bayerns Finanzminister Markus Söder verlangt, die EU müsse an Athen „ein Exempel statuieren“.

Doch Dobrindt - der Mann war Schützenkönig im oberbayerischen Peißenberg - schießt über das Ziel hinaus. Und sein Schuss ging zudem zu früh los. Dobrindt will, noch ehe die Fakten des Troika-Berichtes auf dem Tisch liegen, dessen Ergebnis vorweg nehmen. Das ist nicht nur undiplomatisch, sondern sogar unverantwortlich. Denn mit solch markigen Worten werden die Spekulationen gegen Griechenland und gegen den Euro nur noch mehr angeheizt. Und wenn Hellas wirklich die Gemeinschaftswährung verlassen sollte, rückten erst Recht andere Wackel-Kandidaten ins Visier der Zocker auf den Finanzmärkten, etwa Spanien und Italien.

Unverantwortlich ist Dobrindts Schwadronieren allerdings auch dem eigenen Land gegenüber. Es soll doch niemand glauben, dass eine vollendete Staatspleite und der Austritt oder Rauswurf Athens aus dem Euro-Club nicht auch verheerende Rückwirkungen auf Deutschland, namentlich Bayern haben würde. Deutsche Waren und Dienstleistungen wären dann in Hellas kaum noch absetzbar. Aus den bisher lediglich garantierten Staatsdarlehen für Athen würden im Handumdrehen Milliardenverluste, für die auch der deutsche Steuerzahler aufkommen müsste.

von Reinhard Zweigler

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