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Unter die Räder gekommen

Lebensmittel-Verschwendung Unter die Räder gekommen

Wer Probleme lösen will, sollte die Größe des Problems kennen. Verbraucherministerin Ilse Aigner hat Maß genommen.

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Wissenschaftler der Uni Stuttgart haben im Auftrag des Ministeriums nachgerechnet, wie viel Lebensmittel in Deutschland verschwendet werden. Gestern präsentierte Aigner nun die Ergebnisse: Etwa elf Millionen Tonnen Essen landen jährlich im Müll; mehr als die Hälfte des Abfalls hätte vermieden werden können. Deutschland ist eine Wegwerfgesellschaft, während andernorts in der Welt gehungert wird. Noch schlimmer: Die Wegwerf-rate treibt die Preise auf den Getreidebörsen in die Höhe. Doch hilft die Erkenntnis bei der Lösung des Problems?

Die Bundestagsfraktionen haben bereits vor Monaten eine gemeinsame Initiative gestartet, um etwas gegen die alltägliche Verschwendung zu unternehmen. Aigner hat die Abgeordneten seit Wochen vertröstet. Nun folgen Werbekampagnen. Das ist zu wenig.

Tatsächlich geht es nicht allein um den Verbraucher, der den verschrumpelten Apfel in die Tonne schmeißt oder eine trockene Brotkante wegwirft statt sie nach alter Resteküche-Tradition noch zu verwerten. Der Wert von Lebensmittel ist unter die Räder gekommen.

Bereits auf dem Acker wird verworfen und untergepflügt, weil Salat, Früchte und Gemüse nicht den Handelsnormen entsprechen. Oder weil der Handel glaubt, der Kunde mag nur schön gerade gewachsene Möhren.

Nicht die Qualität von Lebensmitteln ist heute entscheidend, sondern ihr Aussehen. Die Debatte ist längst eröffnet. Supermärkte brauchen kreative Ideen, die Landwirtschaft neue Regeln. Die Politik darf sich nicht mit Studien und Appellen begnügen.

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