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Der politische Kommentar Traurig, aber nicht katastrophal
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21:55 02.09.2016

Das ist traurig, nicht nur für die Spitzenkandidaten von SPD und CDU, Erwin Sellering und Lorenz Caffier. Die Arbeit der Landespolitiker wird von vielen Wählern nicht wahrge­nommen. Die Berichterstattung von Journalisten über Ursachen und Lösungswege in der Fluchtkrise kommt bei einem Teil des Publikums nicht an. Das heiligste Prinzip unseres Landes, die Unantastbarkeit der Menschenwürde, hat in vielen Herzen und Köpfen keinen Platz gefunden.

Doch so traurig das alles ist: An diesem Sonntag wird nicht die Demokratie zu Grabe getragen. Denn die Flüchtlingshasser und Ausländerfeinde sind in Deutschland zwar eine laute Minderheit, aber nicht die Mehrheit, wie eine Um­frage des Sozialwissenschaft­lichen Instituts der Evangelischen Kirche zeigt. Die AfD wird in einem dünn besiedelten Bundesland ein erschreckend starkes Ergebnis bekommen. Allerdings dürfte die rechtsextreme NPD aus dem Landtag fliegen. Die etablierten Parteien werden - wenn sie zu Kompromissen bereit sind - gemeinsam stärker sein als die angebliche Alternative.

Die AfD wird auch nach dieser Wahl nichts ausrichten können in Mecklenburg-Vorpommern, geschweige denn im Bund. Doch es wäre kurzsichtig, allein vor Wahlerfolgen der AfD zu zittern. Wirklich gefährlich ist, dass in rechten Kreisen die Akzeptanz für Gewalt gegen Menschen anderen Aussehens und Glaubens steigt. Die etablierten Parteien sind in der Versuchung, solche Einstellungen zu stützen, indem sie Themen und Forderungen der AfD übernehmen. Mit Debatten über ein Burka-Verbot und die Abschaffung der doppelten Staatsbürgerschaft bekämpft man die AfD nicht, sondern stärkt sie.

Diese Landtagswahl wird ein Debakel, aber keine Katastrophe werden. Die AfD ist langfristig nicht unbesiegbar, denn es gibt ein Rezept gegen populistische Rattenfänger: Immer wieder geduldig die Fakten erklären.

von Stefan Dietrich

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