Volltextsuche über das Angebot:

28 ° / 15 ° wolkig

Navigation:
Teure Schlamperei

Krankenhäuser Teure Schlamperei

Das Bild des getroffenen Hundes, der bellt, traf am Dienstag wohl am ehesten zu auf den Präsidenten der Deutschen Krankenhausgesellschaft.

Voriger Artikel
Kein Selbstläufer
Nächster Artikel
Nicht noch einmal tatenlos zusehen

Ob es wirklich, wie Alfred Dänzer meint, unverschämt ist, den Krankenhäusern strafbares Verhalten vorzuwerfen, dürfte zweifelhaft sein angesichts milliardenschwerer Schäden durch fehlerhafte Klinikrechnungen. Das hatte ja durchaus nicht irgendjemand einfach mal so dahergesagt, um den Krankenhaus-Buchhaltern zwischen Flensburg und München am Zeug zu flicken, nein: Der Medizinische Dienst der Krankenkassen hat da durchaus konkrete Zahlen und belastbare Daten aufzubieten: 2,3 Millionen Rechnungen geprüft, 45 Prozent davon fehlerhaft oder ungerechtfertigt, 900 Millionen bis 1,5 Milliarden Euro jährlicher Schaden für die Krankenkassen. Um im Bild zu bleiben: Ein kluger getroffener Hund hätte erst einmal den Schwanz eingezogen und sich winselnd in eine Ecke verzogen.
Da kommt einiges zu auf die Kliniken, wenn die Koalition Ernst macht mit ihrer Drohung, das Geld zurückzufordern und die Schlamperei zusätzlich noch zu sanktionieren. Bis es so weit ist, sollte sich die Branche vielleicht ein Beispiel nehmen an den niedergelassenen Ärzten. Die sehen sich einmal mehr dem bekannten Vorwurf ausgesetzt, käufliche Handlanger der Pharma- und Medizintechnikindustrie zu sein. Dass es in dieser Hinsicht schwarze Schafe gibt, stellt der Chef der Bundesärztevereinigung gar nicht in Abrede. Vielmehr bekennt sich Andreas Köhler zur rückhaltlosen Aufklärung möglicher Korruptionsfälle.
Jeder Euro, der nicht ausgegeben werden muss aufgrund fehlerhafter Klinikabrechnungen oder dubioser Verschreibungspraktiken, trägt dazu bei, der Blockadehaltung der Kassen in der Frage der Abschaffung von Praxisgebühren oder der Beitragssenkung den Wind aus den Segeln zu nehmen. Das Controlling im Gesundheitswesen kann also gar nicht engmaschig genug sein.

Voriger Artikel
Nächster Artikel