Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Der politische Kommentar Schlimme Ahnung trotz der Freude
Mehr OP extra Kommentare Meinung Der politische Kommentar Schlimme Ahnung trotz der Freude
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:48 27.04.2018

Zu Jahresbeginn noch reizte Nordkoreas Kim Jong Un die USA und die westliche Welt mit dem Hinweis auf seinen funktionstüchtigen Atomknopf bis aufs Blut. Jetzt, knapp fünf Monate später, ­betont er den Willen zur vollständigen atomaren Abrüstung. Natürlich, dazwischen lagen weitere Verschärfungen der internationalen Sanktionen, das Säbelrasseln von Donald Trump und eine offenbar verstärkt kritische Haltung des nordkoreanischen Verbündeten China zu Kims atomaren Drohgebärden. Was genau Nordkorea zu seiner unerwarteten Charmeoffensive gebracht hat, ist noch nicht zu beurteilen. Auch nicht, ob es nicht doch ein Spiel auf Zeit oder eine Finte ist, um die Atomwaffenreife noch unbehelligt zu erreichen. Doch im Moment klingt es anders - es riecht nach dem Ende eines bis heute nur ruhenden Kriegszustands.

Es verbietet sich, schon jetzt über eine Wiedervereinigung Koreas zu sprechen oder darüber, welche neuen Probleme damit auf die Menschen aus zwei sehr gegensätzlichen Lebenssystemen zukämen. Dafür ist Zeit, wenn es so weit kommt. Worüber es sich aber schon nachzudenken lohnt, ist eine weit weniger angenehme Ahnung, die mit dem rasanten Politikwechsel in Korea verbunden ist. Ist rohe, fast verantwortungslose Droh-Politik à la Trump und Kim vielleicht doch die Taktik, die am ehesten verfahrene Konflikte aufzubrechen vermag? Bewegt sich nur mit gefährlichen, weil ernstgemeinten Aggressionsgesten etwas zwischen politischen Alphatieren? Trump wird das so sehen und den koreanischen Frühling auch als seinen Erfolg verkaufen wollen. Kim in seinem Land wohl genauso. Doch wie oft kann diese Taktik gutgehen, bis sie in einer Katastrophe endet? Trumps einseitige Israelpolitik folgt letztlich dem gleichen Schema. Provozieren, drohen, Entschlossenheit zeigen. Auch dort sind bisher auf allen anderen diplomatischen Wegen die Fortschritte überschaubar geblieben - oder zurückgedreht worden. Es spricht also etwas für die „Erfolg-durch-Provokation-und-Härte“-These. Das bleibt gleichwohl ein beängstigender Gedanke. Denn eine Gelingens-Garantie kann niemand geben.

von Michael Agricola

Man könnte meinen, Donald Trump habe die Europäer in handelspolitischer Sicht jetzt endgültig dort, wo er sie hinhaben wollte: auf ihren Knien. Verlängert werden die Ausnahmeregelungen für Strafzölle auf Aluminium- und Stahlimporte aus Europa in die USA nach dem 1. Mai wohl nicht mehr, und deshalb muss Angela Merkel jetzt in Washington darum betteln, dass die Erhebung dieser Zölle nicht in der kommenden Woche zum Tragen kommt, sondern verschoben wird. Ganz abgesehen davon, dass dieser Versuch eines neuerlichen Zeitspiels gar nicht primär in die Handlungshoheit Angela Merkels fällt, sondern in die der EU.

26.04.2018

Die SPD hat erstmals in ihrer langen Geschichte eine Frau an die Spitze der Partei gewählt. Dass nicht mal diese Nachricht dem gestrigen Parteitag einen Schimmer von Glanz verleihen konnte, sagt einiges über den Zustand der Sozialdemokratie aus.

27.04.2018

Eine Volkspartei wählt einen neuen Vorsitzenden. Oder eine neue Vorsitzende. In einer besseren Welt wäre das ein ganz normaler Vorgang. Doch die Wahl einer neuen SPD-Bundesvorsitzenden findet in dieser, nicht ganz so heilen Welt statt.

20.04.2018