Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Der politische Kommentar Rösler kann auch anders
Mehr OP extra Kommentare Meinung Der politische Kommentar Rösler kann auch anders
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
22:50 21.01.2013

Die Partei ist ein Tollhaus und inszeniert gerade wieder einmal fröhliche Chaostage. Immerhin: Der aus den eigenen Reihen seit langem belächelte und in den zurückliegenden Wochen auch gemobbte Philipp Rösler hat in dem Tohuwabohu Statur gewonnen. Erst hat er unbeirrt den Wahlkampf in seinem Heimatland Niedersachsen durchgezogen - und nun seine internen Kritiker überrumpelt und geschrumpft.

Mit dem kaum für möglich gehaltenen Wahlerfolg im Rücken hat er das angeboten, was seine internen Gegener wollten, wofür sie sogar eine Niederlage in Hannover in Kauf genommen hätten: seinen Rückzug zugunsten des alten Partei-Haudegens Rainer Brüderle. Doch den liberalen Möchtegern-Umstürzlern fehlte im entscheidenden Moment die Traute.

Brüderle hätte sie vielleicht von Rösler erlöst, wenn er denn mit Inbrunst darum gebeten worden wäre. Doch das blieb aus. Aus dem blassen Rösler war durch die 9,9 Prozent Philipp der Starke geworden. Und der machte etwas daraus. Er zwang seine Partei zum Schwur. Philipp Rösler kann also auch anders als lieb und nett. Wenn es drauf ankommt, versteht er das Handwerk der Macht.

Nun bilden die bisherigen Kontrahenten ein Team. Man darf gespannt sein, wie lange es hält angesichts der bei den Liberalen besonders ausgeprägten Leidenschaft für Intrigen. Ohnehin hat die FDP kein Personal-, sondern ein Inhaltsproblem. Vier von fünf Wählern in Niedersachsen kamen nach Analyse der Wahlforscher von der CDU. Sie wollten vor allem, dass David McAllister Ministerpräsident bleibt. Die FDP bleibt in dramatischer Weise auf künstliche Beatmung angewiesen, egal in welcher Formation sie in den Bundestagswahlkampf zieht. Nur werden auch die Union und ihre Anhänger Lehren aus Niedersachsen ziehen. Sie werden die FDP nicht noch einmal so stark mit Leihstimmen aufpumpen. Rösler und Brüderle müssen noch zeigen, was sie können.

Anzeige