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Offene Zweierbeziehung

Große Koalition Offene Zweierbeziehung

Zu den abgegriffenen Bildern der Liebesheirat und der Vernunftehe gesellt sich in der politischen Debatte eine neue Art der Koexistenz: die offene Zweierbeziehung.

Die Parteilinken in der SPD nennen es Koko: eine Kooperationskoalition. Ein schönes Denkmodell für alle Sozialdemokraten, die sich in der Groko zu sehr gegängelt fühlten, die um des Regierens willen viele ihrer Grundsätze und Überzeugungen zurückstellen mussten und in der jetzigen Situation nach Alternativen für eine Zusammenarbeit mit der Union suchen. Es ist den Genossen hoch anzurechnen, dass sie sich nicht in ein „Weiter wie bisher“ fügen wollen. Könnte man ja zumindest mal probieren, diese so noch nicht dagewesene Koalition mit einem Minivertrag, der nur einige zentrale Eckpunkte zementiert und den großen Rest der Regierungsarbeit zum Optionsmodell mit wechselnden Mehrheiten macht. So werden Kabinett und Parlament zwar zum politischen Swingerclub, aber niemand muss sich vorwerfen lassen, zwanghaft gegen seine Wahlversprechen zu handeln.

Ob das alltagstauglich wäre, ist höchst fraglich. Doch es ist zumindest eine Form der Zusammenarbeit, die in weiten Teilen der SPD auf Zustimmung stoßen dürfte. Und diese Zustimmung braucht es, um überhaupt in Sachen Regierungsbildung voranzukommen. Doch egal ob in einer Liebesheirat, einer Vernunftehe oder in einer offenen Zweierbeziehung: Es gehören immer mindestens zwei, in diesem Fall sogar drei dazu. Und ob Angela Merkel und Horst Seehofer sich mit den Unwägbarkeiten einer „Koko“ werden anfreunden können, darf bezweifelt werden.

Schöner Versuch der SPD-Parteilinken also, ein sehr demokratisches Denkmodell obendrein, aber der deutsche Parlamentarismus hat - noch - nicht die Ausprägung für diese Form des Regierens.

von Carsten Beckmann

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