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Der politische Kommentar Notwendige und wirksame Quote
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23:00 02.05.2018

Aktuelle Zahlen der Organisation „Frauen in die Aufsichtsräte“ widerlegen diese Behauptungen. Sie zeigen: In den Aufsichtsräten, die seit 2015 eine verpflichtende Frauenquote von 30 Prozent erfüllen müssen, ist der Frauenanteil tatsächlich um neun Prozentpunkte auf 30,9 Prozent gestiegen. In Aufsichtsräten, für die keine Quote gilt, liegt er dagegen unter 20 Prozent. Und in den Vorständen sitzen nur 7,3 Prozent Frauen.

Die gesetzliche Quote ist also notwendig und wirksam. Und den betroffenen Firmen ist es offensichtlich auch gelungen, weibliche Aufsichtsräte zu finden. Auch das ist eine Frage der Einstellung. Laut einer Studie des Instituts der Deutschen Wirtschaft liegt der Anteil von Frauen bei Bewerbungen um Führungspositionen zwar bei nur 31,5 Prozent. Das lässt sich aber ändern, wie die Studie zeigt: Wenn ­Unternehmen die Möglich­keiten für Kinderbetreuung und Teilzeit verbessern, steigt auch der Anteil der Bewerberinnen.

Die Quote zwingt somit Unternehmen, ihre Strukturen so zu ändern, dass Frauen bessere Chancen haben. Das nutzt nicht nur einzelnen, die dadurch Karriere machen können. Es hilft auch Arbeitnehmerinnen in den unteren und mittleren Firmenetagen. Denn solange Frauen nicht mitentscheiden, spielen häufig Themen keine Rolle, die sie stärker als Männer betreffen. Das gilt immer noch für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie, es gilt aber auch für den Schutz vor sexueller Belästigung am Arbeitsplatz. Der jahrelang vertuschte Skandal um mutmaßliche Übergriffe des Filmproduzenten Harvey Weinstein ist das drastischste Beispiel dafür.

Frauenministerin Franziska Giffey sagt zu Recht: „Männerclubs sind nicht mehr zeitgemäß.“ Deshalb kann die Quote für Aufsichtsräte nur der Anfang sein. Für Vorstände muss es ebenso verbindliche Vorgaben geben. Das nützt letztlich auch den Firmen. Sie brauchen in der Chefetage auch weibliche Sichtweisen, wenn sie im Wettbewerb um Kundinnen und Fachkräfte mithalten wollen.

von Stefan Dietrich

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