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Der politische Kommentar Nicht alles annehmen
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09:24 20.03.2012

Wieso eigentlich? Die Welt ist voller Politiker ohne Rückfahrkarte. Alle wollen sie bleiben, was sie sind, warum also nicht auch Röttgen? Der möchte Ministerpräsident werden, aber nicht im Land versauern. Er will gefragt werden, wenn es darum geht, in der CDU die Zeit nach Merkel zu gestalten.
Viele geeignete Kandidaten hat die Union nicht mehr zu bieten. Es ist bizarr, dass Parteifreunde mehr Kraft für die Demontage Röttgens verwenden als für den Angriff auf den politischen Gegner. Hier soll einem der wenigen Kabinettsmitglieder von Schwarz-Gelb, das über einen politischen Plan zu verfügen scheint, schon vorsorglich die Schelle des Niederlagen-Fängers umgebunden werden. Das ist Provinzialismus der einfachsten Sorte.
Vor solchen Parteifreunden wird häufig gewarnt. Die wären in Berlin den immer-klugen Röttgen los, ein Posten würde frei. In der Landtagsprovinz ist ein Röttgen auf der Oppositionsbank so notwendig wie ein Wulff auf der Liste der staatlichen Ehrensöldner. Als ehrgeiziger Politiker ist es durchaus legitim, sich für einen Job brennend zu interessieren. Das bedeutet nicht, dass man am Ende alles nehmen muss, was übrig bleibt.
Das zu entscheiden, wäre Sache der Parteibasis. Zweitliga-Politiker, die mit Hilfe erstklassiger Medienpräsenz meinen, sie hätten das alleinige Sagen, werden in Wahrheit immer in der zweiten Liga bleiben. Darunter leiden sie. Fiele Röttgen jetzt um, wäre er nichts mehr wert. Wenn einer Chefkoch werden will, muss er nicht auch den Job des Küchenjungen toll finden.