Volltextsuche über das Angebot:

21 ° / 13 ° Regenschauer

Navigation:
Nächste, bitte!

SPD im Umbruch Nächste, bitte!

Martin Schulz hat die Wahl verloren - als Spitzenkandidat der SPD stand er gegen Angela Merkel ebenso auf verlorenem Posten wie seine Vorgänger Peer Steinbrück und Frank-Walter Steinmeier. Und wie diese ergibt sich der gefallene Hoffnungsträger offenbar ­seinem Schicksal: Eine neue Chance strebt er, auch wenn er es nicht sagt, wohl nicht an. Schulz will zwar Parteichef bleiben, doch das ist nicht der Posten, auf dem man sich für einen neuen Anlauf aufs Kanzleramt in vier Jahren empfiehlt. Sigmar Gabriel kann ein Lied davon singen.

In die beste Startposition für die Spitzenkandidatur haben die Sozialdemokraten vorerst Andrea Nahles geschoben – in der Rolle als kernige Oppositionsführerin. Man kann es der Partei, aber auch dem Land wünschen, dass sie sich dort erfolgreich fit macht für eine tragende Rolle bei der ­Bundestagswahl 2021. Denn ein Kopf-an-Kopf-Rennen der beiden größten Parteien könnte der deutschen Politik nach so viel großkoalitionärer Schwere willkommenen Schwung verleihen.

Denn auch wenn es vor allem um Inhalte gehen sollte – zunehmend sind es doch, nach amerikanischem Vorbild, Zustimmung und Ablehnung zu den Kanzlerkandidaten, die Wahlen entscheiden. Und wer verliert, ist verbrannt. Zumindest bei der SPD.

Ein Problem ist, dass der Verzicht nach ­einer Wahlschlappe offenbar leichter fällt, wenn man weich fällt. Von den vier Kandidaten, die Merkel zuletzt besiegt hat, ist nur Steinmeier in einer konsequent politischen Laufbahn geblieben, der vorher am wenigsten mit seiner sozialdemokratischen DNA angab. Steinbrück und auch Altkanzler Schröder lassen sich dagegen heute ihre Zeit im Polit-Rampenlicht üppig von anderen Auftraggebern vergolden.

Doch die SPD könnte sicher zuversichtlicher in die ­Zukunft schauen, wenn sie wieder mal jemanden (oder wie früher mehrere) hätte, den oder die der unbedingte ­Willen zur Macht antreibt, der oder die sich auch von Rückschlägen nicht aufhalten lässt. Und wenn man dafür am Zaun des Kanzleramts rütteln muss, wie es vom damaligen Juso-Chef Gerhard Schröder überliefert ist. Mal sehen, ob Andrea Nahles die Männer in ihrer Partei in dieser Hinsicht in den Schatten stellen kann. Martin Schulz, so scheint es, hat sie schon hinter sich ­gelassen, bevor die richtige Arbeit in Berlin losgeht.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Der politische Kommentar