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Merkel zeigt gute Haltung

Griechenland Merkel zeigt gute Haltung

Wie immer, wenn Angela Merkel auf Reisen geht, macht sie keinen schlechten Eindruck. Das Problem liegt vielmehr darin, dass Reisen kein Ersatz für durchdachte Politik ist.

Und dass sie am besten auf dem Weg nach Athen eine längere Zwischenstation bei der CSU in München gemacht hätte. Die Dobrindts und Söders dieser Euro-Welt richten mit ihren dumpfen Sprüchen über den Euro-Rausschmiss der Hellenen mehr Gemeinschaftsschaden an als die gesamte Athener Bürgerschaft bei den regulären Großdemonstrationen.

Wo steht der Feind? Jedenfalls nicht bei den Demonstranten, die auf den Plätzen von Athen gegen die Visite der deutschen Kanzlerin demonstriert, randaliert und skandiert haben. Es gibt auch die einfachen Botschaften, die nicht deshalb falsch sind, weil sie kurz und bündig ausfallen. Die Reichen Griechenlands haben mit der Krise ungefähr so viel Milliarden an Vermögen in die sichere Euro-Zone verschoben, wie der marode Staat Schulden angehäuft hat. Da darf man auch mal gegen die Unfähigkeit einer politischen Gemeinschaft demonstrieren, die diese Fehlentwicklung nicht verhindern kann.

Aber es ist eben auch nicht so, dass die Deutschen daran schuld sind, dass Griechenland seit Jahren mit dem Euro weit über seine Verhältnisse gelebt hat. Wenn eine Regierung nicht richtig vorwärts kommt, staatliche Ausgaben und steuerliche Einnahmen, Möglichkeiten und Notwendigkeiten in Einklang zu bringen, dann liegt es gerade in der Politik nahe, dass man auf laute und oft falsche Antworten verfällt. Merkel und Samaras haben gestern dieser Versuchung widerstanden.

Griechenlands Premier und die Bundeskanzlerin haben gemeinsam optisch und politisch Haltung gezeigt bei einem von außen aufgeheizten Krisentreffen. Noch ist Griechenland nicht verloren. Vor allem dann nicht, wenn als gemeinsamer Feind die Krise identifiziert wird und nicht griechischer Schlendrian oder deutsche Herrschaftspose.

Wer kann auf Dauer verkraften, dass es in rund 400000 griechischen Familien niemanden mehr mit einer bezahlten Arbeit gibt? Wer kann ertragen, dass über 50 Prozent der Jugendlichen ohne Bindung an die Arbeitswelt sind? Das zu ändern, ist Sache der Griechen! Aber es ist besser und auch preiswerter für den Rest der starken Euro-Gemeinschaft, wenn man dabei hilfreich zur Seite steht.

von Dieter Wonka

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