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Mehr als wohlgesetzte Worte

Gauck in Israel Mehr als wohlgesetzte Worte

Die These, Israel stehe in Deutschland wegen des Holocausts ein für allemal außerhalb der Kritik, führt im Alltag zur Distanzierung. Jüngste Umfragen lassen eine fatale Tendenz zur Entsolidarisierung mit Israel erkennen.

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Israel gilt zunehmend als rücksichtslos, aggressiv und unsympathisch. Das sind die Bausteine, an denen hierzulande rechte Kräfte ansetzen.

In diesem Umfeld wirkt der deutsche Bundespräsident mit seiner Begeisterung für die grenzenlose Idee der Freiheit, mit seiner ehrlich spürbaren Trauer über die Shoa in Yad Vashem und mit seiner beschworenen vorbehaltlosen Solidarität fast naiv. Denn: Nichts ist gut in Nahost.

Die letzten Zeitzeugen sind noch da, doch die demonstrative Unbefangenheit wird größer. Jetzt zählen Argumente mehr als beklemmende Vergangenheits-Beschwörungen. Das „Nie wieder“ bleibt Auftrag. Joachim Gauck hat die Werte der Freiheit, die historische Verantwortung und die immerwährende Pflicht zur besonderen Solidarität beschworen. Dabei darf es aber auch ein Bundespräsident nicht belassen. Der Besuchsauftakt in der Gedenkstätte für die Opfer des Holocaust war notwendig und beeindruckend. Der Besuchsabschluss in den palästinensischen Gebieten ist nicht minder wichtig. Verantwortung gegenüber Israel schließt die Interessensvertretung der Palästinenser ausdrücklich mit ein.

Die letzte große Israel-Debatte in Deutschland hat der Literat Günter Grass bewirkt. Er war nicht klug genug, ein wichtiges Anliegen richtig vorzutragen. Gauck wäre klug und unangreifbar genug, um mehr als nur wohlgesetzte Worte zu hinterlassen.

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