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Der politische Kommentar Kräftemessen in Berg-Karabach
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22:59 03.04.2016

Die Gefechte in Berg-Karabach zeigen, wie hochgerüstet sich die Kriegsparteien Armenien und Aserbaidschan gegenüberstehen. Der jahrzehntelange Konflikt im Kaukasus mag sich nur um eine kleine Enklave drehen. Doch der Streit kann sich im Handumdrehen in ganz andere Größenordnungen ausweiten.

Die Waffenstillstandslinie trennte bisher eben nicht nur Aserbaidschaner und Armenier. Entlang dieser Front verläuft auch die Grenze zwischen der russischen und der türkischen Einflusszone. Ohne massive Militärhilfe aus Moskau könnte sich die bettelarme Regierung im armenischen Eriwan den anhaltenden Armeeeinsatz in der strittigen Region gar nicht leisten. Die Machthaber in der aserbaidschanischen Hauptstadt Baku wiederum setzen auf Unterstützung aus Ankara, um das Territorium zurückzugewinnen und die Position im eigenen Land wieder zu stärken.

Dass sich der türkische Präsident in dieser angespannten Lage in aller Eile hinter seinen Verbündeten stellt und ihm quasi einen Blankoscheck ausstellt, ist überaus leichtsinnig: Anstatt das Regime in Baku zu mäßigen, setzt Recep Tayyip Erdogan auf ein offensives Vorgehen. Mehr noch: Der Kleinkrieg im Kaukasus erscheint offenbar als willkommene Gelegenheit, das Kräftemessen mit dem russischen Kollegen Wladimir Putin fortzusetzen.

Die Nervosität unter den Friedensvermittlern aus den USA und Europa kommt daher nicht von ungefähr. Sie fürchten, dass die gefährlichen Reibereien zwischen Russland und der Türkei, die bereits im Syrienkonflikt zu beobachten sind, in einen weiteren Stellvertreterkrieg führen könnten.

von Stefan Koch