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Keine Zeit und Ruhe

Europa Keine Zeit und Ruhe

Führen heißt im besten Fall, mit gutem Beispiel voranzugehen. Griechenland wird in den nächsten sechs Monaten den Rat der 28 EU-Länder führen.

Es wird viele Zusammenkünfte von Staatschefs und Ministern organisieren und noch mehr Treffen von Ausschüssen und Arbeitsgruppen leiten - alles mit dem Ziel, dass die Staatengemeinschaft auf Reformkurs bleibt. Ausgerechnet Griechenland?

Zweifel an der Führungsrolle des Mittelmeerlandes sind berechtigt, schließlich hat dessen politische Elite in den Krisenjahren nicht mit Entschlossenheit und Tatendrang geglänzt. Noch immer lasten die Schwächen der griechischen Wirtschaft, Politik und Verwaltung schwer auf dem Land. Verarmung, auch Verelendung sind unübersehbar, der innenpolitische Druck auf die Regierung von Antonis Samaras ist immens.

Die griechische Regierung weiß um die Zweifel an ihrer Einsatzfähigkeit - umso ausladender fallen ihre Gesten der Beschwichtigung aus: Es werde eine sehr günstige Präsidentschaft sein. Statt der sonst üblichen 80 Millionen Euro wollen die Griechen 50 Millionen ausgeben - höchstens. Inselausflüge werden die Besuchsdelegationen selbst zahlen müssen, Gratis-Krawattennadeln gibt es nicht. Derlei Symbolik sagt einiges aus über den Spareifer der Griechen - mehr noch aber verrät sie über die Erwartungen an ihre Ratspräsidentschaft. Mit großen Würfen aus Athen rechnet niemand - dazu fehlen Zeit und Ruhe. Zudem sollte man eine Ratspräsidentschaft nicht überbewerten. Oder weiß noch jemand, was die jüngst beendete litauische Präsidentschaft erreicht hat? Oder zuvor die irische? Oder davor die zypriotische?

von Marina Kormbaki

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