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Der politische Kommentar Kein guter Ratgeber
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23:07 28.05.2017

CSU-Chef Horst Seehofer hat Kanzlerin Angela Merkel noch vor Monaten massiv unter Druck gesetzt und öffentlich gedemütigt - nun machen sie im Bierzelt gemeinsam Wahlkampf. „Es läuft sehr gut“, sagt Seehofer über sein scheinbar harmonisches Verhältnis zur CDU-Chefin.

Ganz anders die SPD: Sie schafft es in fast jedem Wahlkampf, sich selbst zu zerfleischen. Erst wurde Martin Schulz wie ein Messias gefeiert - das nährte Erwartungen, die kein Normalsterblicher erfüllen kann. Dann begannen die Genossen, ihm Knüppel zwischen die Beine zu werfen. Hannelore Kraft, Noch-Ministerpräsidentin von Nordrhein-Westfalen, gab nach der verlorenen Landtagswahl zu: Sie habe Schulz gebeten, sich aus dem Wahlkampf in seinem Heimatland herauszuhalten. Krafts Geständnis nützte Schulz nichts: In der öffentlichen Wahrnehmung ist er mitverantwortlich für drei Landtagswahl-Niederlagen. Und jetzt teilt noch Peer Steinbrück Ratschläge aus.

Steinbrück tut, als wüsste er, was Schulz besser machen kann. Zu viel soziale Gerechtigkeit, behauptet er, zu viel Rot-Rot-Grün. Dabei war Steinbrück selbst einer der schlechtesten Kanzlerkandidaten, die die Sozialdemokraten je hatten - was auch eine Leistung ist. Steinbrück hat weder den Draht zu den Wählern gefunden noch politische Visionen entwickelt. In Erinnerung bleiben aus seinem missglückten Wahlkampf ein scherzhaft gemeinter Stinkefinger, Spitznamen wie „Pannen-Peer“ und die Debatte über die hohen Vortragshonorare des Kandidaten. Vielleicht geht es ihm auch bei seiner Schulz-Kritik ums Honorar, schließlich begibt er sich bald auf Bühnentour.

Die SPD sollte besser nicht auf den Rat eines Mannes mit derartigen Leistungen hören. Sie muss über den richtigen Weg diskutieren und sollte Martin Schulz nicht vergöttern - das verlangt Angela Merkel von der Union auch nicht. Es genügt, wenn die Genossen zu ihrem Kandidaten stehen. Dann kann Schulz es zumindest noch besser machen als Steinbrück.

von Stefan Dietrich