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Kein großer Fortschritt

Beschneidung Kein großer Fortschritt

Die überdrehte Debatte über die religiöse Beschneidung findet ein Ende. Endlich. Mit dem gestrigen Kabinettsbeschluss und der kommenden Abstimmung im Bundestag schrumpft dieses Thema auf Normalgröße zusammen.

Das ist gut so, denn die Diskussion über ein Urteil des Kölner Landgerichtes verdeckte das eigentliche Problem: Viele Juden fühlen sich in Deutschland noch immer nicht zu Hause.

Rabbiner werden angepöbelt, vor ihren Kindern von Unbekannten bedroht. Noch immer müssen Synagogen im ganzen Land von Polizisten bewacht werden. Von Normalität ist jüdisches Leben in Deutschland weit entfernt. Der große öffentliche Aufschrei darüber blieb und bleibt aber aus. Viel lieber wurde über das Für und Wider der Beschneidung, medizini­sche Folgen und Grenzen der elterlichen Erziehung diskutiert. Die Frage, wie sich Juden in Deutschland sicher fühlen können, wie Zivilcourage gestärkt werden könnte, kam dabei meistens zu kurz.

Die Beschneidungsdebatte war vielmehr eine Diskussion, bei der sich alle ihrer Toleranz, ihrer Umsicht und ihres Mutes versichern konnten. Geholfen hat sie den Anhängern des jüdischen Glaubens nur insofern, als dass eines der Fundamente ihrer Religion weiterhin straffrei bleibt, wie es hunderte, tausende Jahre zuvor auch war.

Ein entscheidender Fortschritt ist das nicht. Selbst, wenn dies nur zu gerne behauptet wird, wenn nun beispielsweise die Justizministerin in die Fernsehkameras lächelt. Wenn Juden in Deutschland nicht mehr bedroht werden sollen, darf aber nun nicht einfach wieder weggeschaut werden.

von Kai Kollenberg

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