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Kanzlerin ohne Rückgrat

Frauenquote Kanzlerin ohne Rückgrat

Der Fortschritt ist ein Eichhörnchen, Frau Redings EU-Frauenquote ist etwas besser als nichts und Kristina Schröder, die hiesige Ministerin für das unterrepräsentierte Geschlecht ist, wenn es darauf ankommt, ein regelrechtes Ärgernis.

Aber eine gute Quote, mit der in absehbarer Zeit Frauen in den Chefetagen selbstverständlicher werden könnten, ist etwas ganz anderes.

Trotzdem spricht die deutsche Ministerin selbst bei dieser Brüsseler Frühstücksdirektorinnen-Regelung noch von „unnötigen Vorgaben“. Dabei geht es nur um einen 40-Prozent-Anteil in den Aufsichtsräten. Die Vorstände, da wo es zur Sache geht, bleiben unberührt. In Deutschland stellen Frauen drei Prozent an den entscheidenden Vorstandsmandaten. Das ist ein - schlechter - Witz. Ganz offensichtlich braucht die Bundesrepublik eine mutigere Frauen-Klasse in der Politik.

Vorerst dürfen sich die Männer freuen. Sie haben eine wirksame Quote blockiert. ­Gemeinsam haben die CSU-Männer und die Kanzlerin dafür das Betreuungsgeld als Fortschritt für Frau und Kind am Herd durchsetzen dürfen. Was für eine verrückte Geschlechterwelt!

Die nationale Antwort auf ein objektives Ärgernis und, mit Blick auf die internationale Wettbewerbsfähigkeit, auf ein klares Standort-Defizit ist nichts als weiße Salbe. Ein Schmonsens namens Flexi-Quote ist für die, die mit der Geschlechterparität nicht sehr viel am Hut haben, ein sanftes Ruhekissen. Es zwingt sie zu nichts. So bleiben die Manager von heute die gestrigen dieser Gesellschaft.

Es ist erstaunlich, wie wenig Rückgrat die Kanzlerin dann zeigt, wenn es ans Eingemachte für ihr Geschlecht geht. Vielleicht kann sie, im politischen Sinn, wirklich ganz gut Männer morden, aber für den Fortschritt bei der Gleichberechtigung ist sie, mit Frau Schröder am ausgestreckten Arm, ein Prellbock.

Angela Merkel wäre bei der CDU nie und nimmer Chefin geworden, hätte Heiner Geißler nicht vor Jahren eine Quotendebatte für die CDU angezettelt. Ilse Aigner wäre auch bei der CSU nicht zur Kronprinzessin Seehofers aufgestiegen, hätte es nicht zuvor eine durchgekämpfte Quote gegeben. Und die Quote in den Unternehmensspitzen wird kommen - mit der nächsten Regierung.

von Dieter Wonka

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