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Jetzt kommt es auf die Europäer an

Klimaschutz Jetzt kommt es auf die Europäer an

Das Pariser Klimaabkommen wird scheitern, wenn es jetzt nicht zügig umgesetzt wird.

In Klimaverhandlungen geht es viel um Messwerte und Kennzahlen. Allerdings fehlt ein Maßstab zur Beantwortung der Frage, ob eine Klimakonferenz ein Erfolg war oder nicht. Die nun nach zwei Wochen geräuschlos zu Ende gegangene Weltklimakonferenz in Bonn hat die Erderwärmung nicht aufgehalten, so viel steht zumindest fest.

Diese Leistung hat allerdings auch nicht die vor zwei Jahren bejubelte Vorläufer-Verhandlung in Paris vollbracht. Zwar setzte sich die Staatengemeinschaft damals ein Limit beim Temperaturanstieg, beschloss Umwelthilfen für Entwicklungsländer und sagte Ländern, denen schon heute das Wasser bis zum Hals steht, Schadensersatz zu. Doch bisher steht lediglich die hübsche Hülle für das Paket zur Rettung des Klimas. Ob es mit Substanz gefüllt wird, also mit konkreten Maßnahmen zum verbindlichen Abbau des CO2-Ausstoßes, ist offen. Die Bonner Konferenz hat immerhin Hinweise darauf gegeben, wie dies gelingen könnte - und wie nicht.

Die USA verzichten auf Sabotage, immerhin. Die Administration des Klimawandelleugners Donald Trump arbeitet offenbar nicht an der Torpedierung des Klimaabkommens, indem sie zum Beispiel auch andere Staaten zum Ausstieg drängt. Nach dem Rückzug der Amerikaner aus dem Abkommen war so viel Zurückhaltung nicht von jedem Unterhändler erwartet worden, die Erleichterung darüber ist groß. Der Rest der Welt kann nun die in Bonn begonnene Arbeit am Regelwerk zum Pariser Abkommen fortsetzen und dieses nächstes Jahr im polnischen Kattowitz beschließen.

Zugleich aber birgt die Passivität der USA die größte Gefahr für den Umweltschutz. Der Konsens von Paris gelang ja nur, weil Amerikaner und Chinesen sich bereiterklärten, nationale Interessen hintanzustellen. Mit dem Amtsantritt Trumps aber brach die amerikanisch-chinesische Klima-Achse. Es wäre jetzt an der EU, den Platz der Amerikaner an der Seite der Chinesen einzunehmen. Bonn hat jedoch gezeigt, dass die Europäer derzeit dazu nicht imstande sind.

Darüber konnte auch nicht der energische Auftritt von Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hinwegtäuschen. Auch zur Umsetzung von Macrons Minimalforderungen wie einer höheren CO2-Bepreisung fehlt in Europa der Wille. Der verzagte Auftritt der Kanzlerin in Bonn hat das belegt. Die deutsche, die europäische Verdruckstheit beim Klimaschutz muss mit dem Amtsantritt der nächsten Bundesregierung ein Ende finden. Denn eines lässt sich über die Zukunft des Pariser Klimaabkommens schon heute mit Gewissheit sagen: Es ist zum Scheitern verurteilt, wenn keine starken und entschlossenen Mächte seine Umsetzung vorantreiben.

von Marina Kormbaki

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