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Der politische Kommentar Ist die Linke noch zu retten?
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06:16 26.05.2012
Berlin

Fünf Jahre später steht der einstige Gründervater wieder im Mittelpunkt, aber die allermeisten Ballons sind inzwischen zerplatzt, Lafontaine dreht der Parteispitze beleidigt den Rücken zu. Der Machtmensch aus dem Saarland will nicht mit seinem Erzrivalen Bartsch an der Rettung des visionären Projekts arbeiten. Dem Reformer Bartsch droht auf dem kommenden Parteitag die Abstrafung durch die Westverbände und inmitten dieses Chaos machen sich zwei eher weniger profilierte Frauen auf den Weg, das Erbe von Lafontaine und Gysi zu konservieren.

Ist die Linke noch zu retten? Die Prognose ist nicht günstig. Zurzeit bricht auseinander, was nicht zusammengehört. Linke Sektierer bekämpfen Pragmatiker aus dem Osten, Fundis gegen Realos – die Partei liefert ein jämmerliches Gesamtbild. Quälende Selbstbeschäftigung ersetzt inhaltliche Arbeit und neue Ideen. Als Auffanglager für Protestwähler wird die Linke mehr und mehr durch die Piraten ersetzt. Und das mitten in der größten Kapitalismuskrise seit dem Zweiten Weltkrieg. Wer so agiert, macht sich als Alternative überflüssig.

Die Folge waren die Schlappen bei den letzten Landtagswahlen. All diese Konflikte bündeln sich in der Person des Polit-Egomanen Oskar Lafontaine. Er war treibende Kraft bei der Vereinigung von WASG und PDS, er hat die Linke auf ihren Höhepunkt geführt, jetzt ist er auch an ihrer Selbstzerstörung maßgeblich beteiligt. Kein Wunder, dass er davoneilt und zur Bestürzung seines Wegbegleiters Gysi einen Trümmerhaufen hinterlässt. Das Muster ist ja nicht unbekannt.