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Der politische Kommentar Israel-Besuch
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06:16 03.06.2012

Jetzt, da ihn alle loben ob seiner weltgewandten Auftritte und in den Medien allenthalben ein tiefer Ton der Zufriedenheit der Deutschen über ihr Staatsoberhaupt brummt, sollte man sich die Gründe für die Abneigung in Erinnerung rufen. Ihre innere Ablehnung rührte daher, dass sie Gaucks innere Unabhängigkeit von den politischen Parteien, sein eigenes Denken, man kann auch sagen: seine Persönlichkeit fürchtete. Einer kontrollsüchtigen Kanzlerin muss allein die Vorstellung von einem „Präsidenten aus eigenem Recht“ unheimlich sein.

Es ist nun genau diese Wahrnehmung, die die Bevölkerung zu Hause gewonnen hat nach den wohltuenden Eindrücken der Reise Gaucks nach Israel und in die palästinensischen Gebiete, nach verschiedenen anderen Auftritten im In- und Ausland, in Polen, bei Europäischer Union und der Nato in Brüssel, vor allem aber auch durch die Absage der Reise in die Ukraine.

Für eine Hundert-Tage-Bilanz des Präsidenten Gauck fehlt noch ein knapper Monat. Der Eindruck festigt sich freilich schon jetzt, dass für dieses Land auf der internationalen Bühne eine zweite Stimme erklingt. In den Ohren vieler Freunde, vor allem aber auch in den Ohren der Kritiker Deutschlands, hört sie sich bei weitem nicht so schrill an wie das Organ der europäischen Spardiktatorin.

Gauck tritt demütig auf, als ein Lernender auf der internationalen Bühne und er stellt sich auch so vor. Die Kanzlerin muss, das wohnt nun mal ihrem Amt inne, dominanter wirken, wenn sie ihren Vorstellungen im Kreis der Verbündeten Gehör verschaffen möchte.

Gauck weiß offensichtlich die Bedeutung des Präsidentenamtes richtig einzuschätzen. Er ist nicht der Versuchung erlegen, für „die deutsche Außenpolitik“ zu sprechen. Auf diesem bedeutenden Feld der Politik aber Persönlichkeit zu zeigen, das steht ihm gut an.