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Der politische Kommentar Inakzeptable Ungerechtigkeit
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22:43 20.12.2017

Das ist doppelt ungerecht. Und Ungerechtigkeiten werden nicht dadurch besser, dass viele sie gar nicht bemerken oder sich daran gewöhnt haben. Deshalb ist es gut, dass die Antidiskriminierungsstelle des Bundes diese alltägliche Ungleichbehandlung ins helle Licht der Öffentlichkeit zerrt.

Jeder weiß zwar, dass Frauen bei den meisten Friseuren selbst für einen Kurzhaarschnitt mehr bezahlen als Männer. Angeblich ist der Aufwand bei Kundinnen höher, selbst wenn der Haarschnitt gleich ist. Aber warum kosten manche Spielwaren in der ­rosa Ausführung mehr als in der blauen? Die Rosa-Blau-Trennung ist ohnehin bedenklich, weil dieser Verkaufstrick des Handels Kindern überkommene Rollenmuster vorgibt: Hier der blaue Baumeister, dort die rosa Prinzessin. Angeblich nur, weil Kinder das so wollen.

Aber warum sollen Eltern von Mädchen dafür auch noch tiefer in die Tasche greifen? Warum müssen Frauen für Parfums und Rasierer mehr bezahlen als Männer? Es kann nicht daran liegen, dass Produkte für Frauen grundsätzlich höherwertig sind. Christine Lüders, Leiterin der Antidiskriminierungsstelle, hat Recht: „Ein solcher Zuschlag ist schlicht nicht gerechtfertigt, und er ist auch nicht nötig.“

Immerhin: Im gesamten Warenkorb ist der Anteil der Preise mit „Pink Tax“ relativ gering. Und manchmal müssen auch Männer mehr bezahlen. Trotzdem: Der kleine Unterschied an der Kasse ist einfach inakzeptabel.

„Fragen Sie nach, seien Sie kritisch und tragen Sie damit zu einem Bewusstseinswandel beim Thema Geschlechter­diskriminierung bei“, rät Verbraucherschutzstaatssekretär Gerd Billen. Diesen Rat sollten nicht nur Verbraucherinnen beherzigen, sondern auch Männer. Denn Ungerechtigkeit ist auch schlimm, wenn sie andere trifft. Viele Unternehmen werden dann ihre Preispolitik allein schon deshalb ändern, weil sie die nervigen Fragen leid sind.

von Stefan Dietrich