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In aller Stille

Chodorkowski In aller Stille

Es war ein munteres Kommen und Gehen im Berliner Hotel Adlon. Freunde des freigelassenen Kreml-Kritikers Michail Chodorkowski kamen am Wochenende, Familienangehörige - und auch Politiker.

Mit denen konnten die Kamerateams aus aller Welt allerdings wenig anfangen. Wer war noch gleich die grauhaarige Frau, die da selbstbewusst auf dem roten Teppich aus dem Hoteleingang schritt? Richtig, Marieluise Beck ist eine Grünen-Politikerin, die auch hierzulande eher der zweiten Reihe zugeordnet wird. Dass sie nun ins Rampenlicht der Weltöffentlichkeit rückt, verrät viel über die ganz besondere diplomatische Leistung der Deutschen im Fall Chodorkowski.

Auch Hans-Dietrich Genscher ist bekanntlich schon lange nicht mehr in der ersten Reihe dabei. Für einen 86-Jährigen aber lassen sich prima in aller Stille politische Strippen ziehen. Und wer sagt denn, dass Menschenrechtsaktivisten wie Marieluise Beck nur mit schrillem Protest etwas erreichen können? Zur Wahrheit aber gehört auch: Die deutschen Unterstützer von Chodorkowski hätten wohl kaum so erfolgreich sein können, wenn sie nicht die Rückendeckung der Bundesregierung gehabt hätten. Der frühere und der neue Außenminister waren über jeden Schritt informiert, die Kanzlerin blieb immer im Bilde. Dieses Zusammenwirken von erster und zweiter Reihe hat den Deutschen einen Erfolg beschert, den Briten oder Amerikaner kaum hätten erreichen können.

An den deutsch-russischen Beziehungen hat der Fall Chodorkowski nichts geändert. Für Wladimir Putin wird es hierzulande immer wieder einen freundlichen Empfang geben. Alles andere geschieht im Hintergrund.

von Jörg Kallmeyer

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