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Der politische Kommentar Im Abgang großartig
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11:54 12.04.2012

Respekt! Privates geht vor Karriere, – das entspricht der besonders von Frauen geübten gesellschaftlichen Praxis. Und Frau Lötzsch macht Platz für Lafontaine mit Anhang. Es geht schließlich für die Linke um die Existenz als gesamtdeutsche politische Kraft. Das kann vielleicht noch einmal der Oskar von der Saar hinbekommen.
Das Duo Lötzsch/Ernst war der dilettantische Ausdruck einer ausgereizten Partei-Idee. Hier ein lebensbejahender Champus-Gewerkschafter West, dort eine verständnisvolle Ostlerin. Gesine Lötzsch warf einmal im Jahr sozialtherapeutische Hilfsdienste für Mauer-Freunde oder Kuba-Sozialisten auf den Markt. Das war gelegentlich nicht weiter tragisch, weil der politische Protest sich automatisch links kanalisierte und weil gelegentlich ein Machtmensch wie Lafontaine oder Gysi genügte, um alles wieder gerade zu rücken. Jetzt sind die Piraten die zeitgeistigere Protest-Variante. Und die Linke hat den Lieblingsgegner verloren, weil kein Basta-Sozialdemokrat mehr im Kanzleramt sitzt, sondern Angela Merkel als die Sozialdemokratin der Herzen amtiert.
Es geht ums Überleben. Lafontaine will es noch ein allerletztes Mal wissen, so viel will er der SPD noch einmal heimzahlen. Seine Freundin Sahra Wagenknecht zieht es bestimmt nicht auf den undankbaren Malocher-Posten an der Parteispitze. Links reden und gut leben müssen zusammen passen.
Als Rest bleibt eine Partei, in der sich gelernte ostdeutsche Kümmerer verdient gemacht haben um die Lösung praktischer Probleme und bisweilen auch um die noch immer notwendige spezifische ostdeutsche Wortmeldung. Ihr gegenüber statt an der Seite stehen ideologisch umtriebige Randerscheinungen, naive Überzeugte oder flotte linke Karrieristen, die sich an anderer West-Stelle zu kurz gekommen fühlten. Dass daraus noch immer keine Partei geworden ist, dass sie die nächsten Wahlen fürchten muss, dass sie sich biologisch erledigen könnte, ist die Crux dieser Linken. Daran würde auch ein nächstes Vorsitzenden-Wunder kaum etwas ändern können – selbst wenn es so talentierte Politiker-Typen wie Dietmar Bartsch oder Katja Kipping versuchten.

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