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Der politische Kommentar Hass und Tat: Sowas kommt von sowas
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22:05 04.02.2018

Das zeigte sich bei der tödlichen Autoattacke gegen Demonstranten in Charlottes­ville, nach der Donald Trump trotz klarer Hinweise das Terrorismus-Wort auffällig vermied. Und es galt lange für das Massaker, das Anders Breivik 2011 in Norwegen verübte. Nur drei Beispiele für Fälle, die gern als unabhängige Taten fehlgeleiteter Einzelner eingestuft wurden.

Doch auch wenn hinter diesen Taten keine straffe Organisation steht wie im Fall des IS: rechtsextremistische Taten wie in Macerata gehen zurück auf eine sehr unterschiedliche Szene - mit einer sie einenden, rassistischen Ideologie. Dahinter steht die Rechtferti­gung des Hasses auf Fremde; die, die man als nicht gleichwertig ansieht und denen man unterschiedslos unterstellt, eine Bedrohung für die eigene Bevölkerung zu sein.

Als Pegida und Co. vor Jahren ausländerfeindliche Parolen und die „Volksverräter“- und „Lügenpresse“-Schreierei auf den Straßen salonfähig ­gemacht haben, hat sich die AfD noch mühsam davon abzugrenzen versucht. Inzwischen fliegen diese Brandpfeile für den gesellschaftlichen Frieden immer häufiger und immer unkaschierter direkt aus der Partei - und oft genug aus den Führungszirkeln. Die AfD hat das Befeuern solcher Konflikte nicht erfunden, Deutschland kennt das Phänomen schon viel länger - Hoyerswerda, Hünxe, Rostock-Lichtenhagen sind beredte Beispiele dafür, wie Hass in Gewalt verwandelt werden kann. Sie bedient sich zudem aus dem reichen Erfahrungsschatz der europäischen Rechten um Wilders, Le Pen oder die italienischen Neo­faschisten, deren ausländerfeindlicher Wahlkampf vermutlich auch den Mann in Macerata (in Verbindung mit dem Mord an einer jungen Frau) zur Tat schreiten ließ.

„Hat aber alles nix mit nix zu tun“ - mit diesem ironischen Satz auf Facebook versuchte AfD-Vorstandsmitglied Beatrix von Storch während der Flüchtlingskrise 2016 nach einem Anschlag in Brüssel in bester Rassistenmanier, eine Verbindung zwischen islamistischen Terroristen und den vielen muslimischen Geflüchteten herzustellen, die in Europa Aufnahme fanden. Diese Art, Hass zu säen, ist längst aufgegangen. Und es ist nicht erst seit Samstag klar: Sowas kommt auch von sowas.

von Michael Agricola