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Gut gemeint, nicht gut gemacht

AfD Gut gemeint, nicht gut gemacht

Peter Fischer traut sich was. Der Präsident des Fußball-Bundesligisten Eintracht Frankfurt will keine AfD-Anhänger in seinem Verein haben.

„Es verträgt sich nicht mit unserer Satzung, AfD zu wählen“, sagt Fischer mit Blick auf rassistische und menschenverachtende Tendenzen in Teilen der Partei. Offenbar auch ohne Rücksicht darauf, dass in seinem Verein und unter Stadionbesuchern prozentual wahrscheinlich genauso viele Menschen die AfD-Politik unterstützen wie in der Gesamtbevölkerung. Es könnte ihm also auch bei treuen Eintracht-Fans Ärger einbringen.

In der Stoßrichtung hat Fischer schon recht. Deutschland kann Menschen gebrauchen, auch Prominente, die Rassismus und Menschenverachtung geißeln, wenn diese salonfähig zu werden drohen. Die für einen solidarischen und ehrlichen Umgang miteinander werben. Die sich schleichender Verrohung in gesellschaftlichen Diskussionen entgegenstellen. Die das Verschieben der Grenzen des „Sagbaren“ nicht akzeptieren. Für all diese kritikwürdigen Tendenzen stehen - nicht nur, aber unverkennbar auch - einflussreiche Teile der AfD. Aber eben auch nicht jeder, der sein Kreuzchen bei der Gauland-Partei gemacht hat.

War Fischers Vorstoß in diesem Fall also klug? Eher nicht. So falsch es ist, Flüchtlinge und Migranten ohne Unterscheidung zu kriminalisieren oder „die Politik“ als verkommen, korrupt oder fremdgesteuert zu bezeichnen - es ist nicht besser, allein die Sympathie für die AfD zum Merkmal des Unerwünschten zu machen. Der Partei kann letzteres recht sein. Ihre Bühne bekommt sie, die Opfer­rolle nimmt sie sich. Nach ­Bekanntwerden des Fischer-Interviews stellten die hessischen AfD-Landessprecher Aufnahmeanträge in den Verein. Sie testen aus, was passiert. Bei ihren Anhängern gewinnen sie auf jeden Fall. So wichtig es ist, „klare Kante“ zu zeigen: Umstimmen wird man mit solchen Aktionen niemanden, der der AfD zuneigt. Im Gegenteil. Eines sollte sich aber auch die vielkritisierte Partei langsam mal abschminken: dass sich Sportvereine oder Kirchen gänzlich unpolitisch zu verhalten hätten.

Wie auch immer: Zu tun gäbe es in Fischers Verein auch abseits solcher öffentlichkeitswirksamer Scharmützel noch einiges. Dass es unter Eintracht-Fans - wie in wohl jedem Bundesligaclub - einen Bodensatz an Rechtsradikalen bis -extremen gibt, ist nicht neu. Hier kann der Verein ansetzen - präventiv, aber auch konsequent im Verbund mit dem Rechtsstaat. Unter dem Deckmantel des Sports werden im Milieu sogenannter Fans immer wieder (auch rechtsmotivierte) Straftaten begangen. Aber: Die Teilnahme an demokratischen Wahlen oder die Mitgliedschaft in einer zugelassenen Partei gehören definitiv nicht dazu.

von Michael Agricola

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