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Der politische Kommentar Emotionsloser Pflichtbesuch
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21:05 26.04.2018

Ein Einlenken des US-Präsidenten, auf das die Kommission in Brüssel in ihrem unerschütterlichen Optimismus hofft, käme eher einem willkürlichen Gnadenakt gleich als einer reifen politischen Entscheidung.

Denn Europa trifft mit seinen oft genug vorgetragenen Sachargumenten nach wie vor auf taube Ohren bei einem Mann, der schlicht nicht verstehen will, dass das Hochziehen von Handelsbarrieren die globalen Märkte und mithin auch die US-Wirtschaft schwächen wird. Genau das hat auch Frankreichs Präsident Emmanuel Macron seinem Gastgeber im Weißen Haus bereits gesagt. Trump wird die Botschaft gehört haben - allein, ihm fehlt der Glaube. Oder das Interesse, denn Trump hat höchstens ein müdes Lächeln übrig für die Drohung Europas, künftig keinen Whiskey aus Kentucky mehr zu kippen, auf keine Harley Davidson mehr zu steigen oder keine US-Jeans mehr tragen zu wollen.

Wer „Amerika zuerst“ sagt, meint „Amerika zuerst“. Das macht es schwer, den US-Präsidenten in zielführende Gespräche einzubinden über eine Neuordnung weltweiter Handelsbeziehungen, die den Interessen reicher Exportnationen ebenso gerecht werden wie denen von Schwellenländern oder ökonomisch noch stärker benachteiligten Staaten. Das wird heute auch Angela Merkel wieder zu spüren bekommen, wenn sie neben Donald Trump Platz nimmt. Man sollte sich also davor hüten, die Erwartungen an den Besuch der Kanzlerin zu hoch zu stecken. Sie wird nicht mit der frohen Botschaft nach Berlin zurückkehren, den US-Präsidenten in irgendeiner Weise von europäischen Positionen überzeugt zu haben. Das ist auch Macron nicht einmal ansatzweise gelungen, aber immerhin wurde er wie ein Star gefeiert. Der smarte Franzose lieferte im Kongress die Art von Show ab, die Amerika liebt - auch, wenn er sich vorher noch von Trump wie ein dummer Schuljunge hatte behandeln lassen müssen. Merkels Besuch wird dagegen keine Emotionen wecken. Weder bei der US-Öffentlichkeit noch bei ihrem Gastgeber im Weißen Haus. Ein Pflichtbesuch eben.

von Carsten Beckmann

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